
Es war nicht das erste und es wird auch nicht mein letztes Meditationsretreat gewesen sein. Nach 4 Jahren, einem Jobwechsel, einer Pandemie und sonstigen Veränderungen im Leben, war es wieder einmal an der Zeit für einen „Reset“.
Einerseits erhofft man sich neue Erfahrungen und Erkenntnisse, andererseits hat es mich gefreut, wieder viele bekannte Gesichter in einer gewohnten Umgebung zu sehen. Mein Chinesisch ist noch gut genug, dass ich ab und zu schon vor der Übersetzung schmunzeln kann, aber noch immer nicht gut genug, dass ich neben der eigenen Übung noch simultanübersetzen könnte. (Danke Mingqing!)
Der Tagesablauf hat sich kaum verändert. Wir haben diesmal in echten Betten statt auf Luftmatratzen am Boden geschlafen, und ich habe gefühlt den Schlaf der letzten paar Jahre nachgeholt und deutlich mehr als sonst geträumt.
Eine Sache, die ich nach über 10 Jahren der Übung langsam begreife ist, dass es nicht darum geht, die „beste“ Sitzhaltung einzuhalten, sondern zu akzeptieren, was meinem Körper und auch meinem Geist gerade möglich ist und dabei zu bleiben, ohne dauernd zu versuchen jede Sitzung zu „optimieren“. Das habe ich zwar leider erst die letzten beiden Tage durchgezogen, aber das werde ich beibehalten. Danke hier an Meister Tsai, die Beratungsstunden haben geholfen. Und wenn man am Abend in der Gruppenberatung Teile seiner Erfahrungsberichte wieder erkennt, weiß man auch, dass die Erfahrungen der anderen Teilnehmer wohl tatsächlich so stattgefunden haben.
Es war für mich vor allem am letzten Tag bei der Feedbackrunde einiger Teilnehmer faszinierend zu hören, wie unterschiedlich die Erfahrungen sein können. Ich hatte nie wirklich besonders herausstechende Erlebnisse oder emotionale Ausbrüche oder dergleichen, meistens war es fast schon „langweilige Routine“, ein bisschen wie unangenehme Arbeit die einfach stur gemacht werden muss, und man vertraut darauf, dass alles einen Sinn hat und sich irgendwann bezahlt macht. Obwohl wir alle gemeinsam den gleichen Tagesablauf hatten, war doch jeder für 7 Tage ein bisschen in seiner eigenen Welt.
Eine Lektion, die ich schon früher gelernt hatte und die sich immer wieder bestätigt hat ist, dass man keine Erwartungen haben sollte, dass eine Sitzung gut oder schlecht war, anstrengend oder entspannt, hat nichts mit der nächsten zu tun. Oder sogar kurzfristiger, nur weil es in einem Moment schmerzt und man aufgeben möchte, schließt das nicht aus, dass man 3 Minuten später wieder mit einem geraden Rücken halbwegs entspannt die „5 Töne“ hört. In jedem Moment beginnt man quasi von vorne, die eigentliche Übung ist es, immer wieder zurück zum Mantra zu kehren, ohne zu bewerten oder sich zu ärgern, dass man schon wieder Gedanken (oder Ohrwürmer) hatte.
Mein Fazit ist fast jedes Jahr das gleiche: Es ist anstrengend, aber man erlebt vor allem gegen Ende immer wieder angenehme Phasen der Ruhe, eine Art Vorschau wie es wohl öfter sein könnte, wenn man regelmäßiger üben würde (was ich mir wie jedes Jahr fest vornehme ;-).
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