Die Drei Schätze Herzenslehre

Die Drei Schätze Herzenslehre

Das Konzept der Drei Schätze

Ein zentraler Grundsatz des Weges der Einheit ist die Praxis zur Wandlung des Herzens. Und wenn hier die Frage auftaucht, ob es zu dieser sehr allgemein und abstrakt klingenden Aufforderung kon­kretere Angaben gibt, kommt als Antwort die „Drei-Schätze-Herzenslehre“ ins Spiel. Die Drei-Schätze-Herzenslehre ((sān)(bǎo)(xīn)()) ist also ein wichtiger Grundpfeiler und eine zentrale Praxis­methode des Weges der Einheit. Die Drei Schätze werden weiter unten im Einzelnen vorgestellt. Zunächst einmal sollen ihr tieferer Sinn, ihre Stellung in der Gemeinschaft anhand von etwas ausführ­licheren Zitaten der Meister dargestellt werden.

Die Drei Schätze Herzenslehre dient der meditativen Versenkung und Herzensschulung in der Tradition der Chan (Zen) Lehre des 6. Ahnlehrers Huineng (638-713). Sie sollte nicht nur in der formalen Sitzmeditation, sondern auch in alltäglichen Situationen genutzt werden, um innere Ruhe, Gelassenheit und Klarheit zu gewinnen. Als Leitsatz gilt das Zitat vom Ahnlehrer Huineng aus seinem Podiumsutra:

Das eigene Wesen ist an sich erwacht und von Natur aus rein und klar. Einfach diesem Sinn folgen und direkt das Buddhatum erlangen! [1]

Dieses erwachte Wesen hat man stets im Sinn zu behalten. Mit diesem hat man sich selbst, die Mitmenschen und die Angelegenheiten im Alltag zu betrachten und zu behandeln. Es geht daher um eine lebensnahe Praxis im weltlichen Leben, in der Familie, in der Arbeit usw. In diesem Sinne zieht man die diesseitig-orientierte konfuzianischen Lehre heran, deren Hauptaufgabe in der Wandlung des Herzens mitten im sozialen Leben besteht. Ein konfuzianischer Leitsatz bringt die Aufgabe am­bitio­niert so auf den Punkt: Innerlich zum Heiligen, äußerlich zum König ((nèi)(shèng)(wài)(wáng) ) . D. h. im Inneren rein und klar wie ein Heiliger, im außen wie ein weiser, gütiger König.

Als Richtlinie dienen hierbei die konfuzianischen Klassiker  „Die Große Lehre“ (()(xué)) und „Maß und Mitte“ ((zhōng)(yōng)). Zusammengefasst kann es so ausgedrückt werden, dass es in erster Linie um die Korrektur der schlechten Launen und der üblen Charakterzüge geht. Zitate aus diesen Werken verdeutlichen den Schwerpunkt in der Praxis. Die einleitenden Sätze des Werkes „Die Große Lehre“ drücken schon seine Grundprinzipien aus:

Der Weg der Großen Lehre besteht darin, die erhabene Tugend zu erleuchten, die Menschen zu erneuern und die Einkehr im höchsten Gut zu finden. Kennt man die Einkehr, wird es stabil. Wird es stabil, herrscht die Ruhe. Herrscht die Ruhe, findet man Frieden. Findet man Frieden, kann man sich besinnen. Kann man sich besinnen, erlangt man Errungenschaften.[2]

Der 15. Ahnlehrer des Weges der Einheit, Wang Jueyi (1821-1884), erläutert das „höchste Gut“ in seiner „Erläuterung der Großen Lehre“ wie folgt:

„Das höchste Gut ist das absolute Sein. Das absolute Sein ist der Geist des Nichtsehens/Nichthörens, der Himmel des Tonlosen/Geruchslosen, das Wesen des Nicht­denkens/Nichttuns (Wu Wei). … Formen vergehen, Energie hat ein Ende, nur Absolutes vergeht nicht, hat kein Ende. Göttlich, weise, rund, allerreichend – leerer Geist: lebendig flexibel. Ausgebreitet erfüllt er alle Himmelsrichtungen, eingerollt ist er nicht erfassbar. Still und nichtbewegend kann er füllen und erreichen. Der große Wandel, weise, göttlich, kann durch ihn erreicht werden. Das Tor zum Tugendhaften, der Bereich des Weisen ist durch ihn zu erklimmen.“ [3]

Was die Menschen daran hindert, dieses absolute Sein zu erkennen und im höchsten Gut zu verweilen, erklärt der 18. Ahnlehrer, der Erhabene Lehrer Zhang Tianran (1889-1947), in seinen „Antworten zu Fragen zum Weg der Einheit“ folgendermaßen:

„Seit der Mensch seinen Körper bewohnt, entfalten sich seine Begierden. Diese repräsentieren die Yin Energie. Sein himmlisches Wesen ist das schöpfe­rische reine ursprüngliche Yang. Man kehrt das Licht zur Selbstbetrachtung um, um mit dem wahren Yang das egoistische Selbst zu ver­wandeln. Im Inneren die Yin Energie zähmen, im Äuße­ren die ungezügelten Handlungen bändigen. Da­durch ein Gleichgewicht schaffen und so durch beständige Übung die große Mitte und Harmonie erlangen.“[4]

„Der Mensch im weltlichen Dasein hat viele Ge­danken. Nach außen gerichtet schwimmt man mit dem Strom Richtung Geisterreich. Inwendig gegen den Strom geri­chtet erlangt man die Weisheit, das Dao. Dem Dao Praktizierenden ist geraten, Sinne und Gedanken zurückzuziehen und sich geistig zu sam­meln: dies ist die Rückkehr des Lichtes zur Selbstbetrachtung. Dies bei jeder Gelegenheit zu üben, also Ich und Welt gleicher­maßen zu vergessen, stabile geistige Sammlung aufrechtzuerhalten – dies ist die Methode zum Beenden des Leidens, zum Erlangen der Glückseligkeit.“[5]

In diesem Sinn geht das Werk „Maß und Mitte“ noch genauer auf die Gefühle und Emotionen der Menschen ein:

Wenn Glück, Wut, Trauer und Freude sich noch nicht entfalten, heißt es „Mitte“. Nachdem sie ausgebrochen sind, aber in Maß gehalten werden, heißt es „Harmonie“. „Mitte“ ist die große Natur alles Seins, und „Harmonie“ ihr Weg zur Verwirklichung der Dinge. Ist „Mitte“ und „Harmonie“ erreicht, befindet sich Himmel und Erde an ihren rechten Platz, und alles wird gedeihen.[6]

Was hier unter Himmel und Erde zu verstehen ist, können wir wieder dem Zitat des 18. Ahnlehrers, dem Erhabenen Lehrer Zhang Tianran, aus seinen „Antworten zu Fragen zum Weg der Einheit“ entnehmen:

„Das Universum ist ein großer Himmel, der Mensch ein kleiner Himmel, anders gesagt ist der Mensch ein kleines Universum. Universum wie Mensch bestehen aus der absoluten, energetischen und formhaften Sphäre. Der Körper ist formhaft, Atmung und flie­ßendes Qi ist energetisch, das Wesen, das den Körper beherrscht,  ist das abso­lute Sein. Das Formhafte des Menschen ist das Formhafte des Universums, das Energetische und das Absolute des Men­schen entsprechen dem Ener­getischen und Absoluten des Universums. Nimmt die energetische Sphäre überhand, so verliert alles seine Harmonie: Jahreszeiten und Klima geraten in Unordnung, das menschliche Herz und die Gesell­schaft verändern sich zum Schlechten, Gefahren und Katastrophen nehmen zu. Geschieht das im Menschen, verliert er seine Mitte, er verliert die Wahrheit aus den Augen und strebt nach Täuschungen, haftet an Begierden und versinkt in Samsara.“ [7]

Unser Dasein besteht daher aus drei Sphären: die absolute, die energetische und materielle formhafte. Nachdem die Menschen nicht erkennen, dass das materielle und energetische Dasein im Grunde leer und wesenlos sind, und verblendet diese festhalten zu wollen, geraten sie mit dem Entstehen und Vergehen der Dinge in den ständigen Kreislauf von Geburt und Tod (Samsara). Diese Verblendung und Verharren manifestiert sich in Disharmonie und Unordnung der Daseinsbereichen, die in Gefahren und Katastrophen enden. Diese können von Menschen verursacht (wie z. B. Kriege) oder Naturkatastrophen sein. Die Meister des Weges der Einheit sehen in all den Großen Lehren oder Religionen der Menschheit die wesentliche Aufgabe, die Menschen vor den Gefahren und Katastrophen zu schützen und sie zur absoluten Himmelsphäre zurückzubringen. Der 15. Ahnlehrer, Wang Jueyi, sagt dazu in seiner „Erläuterung der Großen Lehre“:

„Die Buddhalehre, sie vermittelt die wahre Leerheit. Die Daolehre, sie vermittelt das wunderbare Sein. Der Konfuzianismus, er reinigt Formen und Töne, um die Leute zu verwandeln, bis hin zum Tonlosen, Ge­ruchslosen, fern von Formen. Vollkommen ohne Ton und Geruch, fern von Ener­gie, fern von Formen und Energie – Erlangen des absoluten Seins des Wuji; […] Absolutes Sein des Wuji: ist die wahre Leerheit der Buddhalehre, ist das wundersame Sein der Daolehre; Erlangt man wieder das absolute Sein, kehrt man zum absoluten Himmel des Wuji zurück. Zum Ursprung zurückgekehrt, wieder neu beginnend, fern den Kata­strophen. Katastrophen, sie vernichten nur Materie, können formloses, absolutes Sein, können Göttliches nicht vernichten. Den Himmel öffnen und schließen: der dies vermag, ist der ewig wahre Herrscher. Die dies tun sind die Weisen der drei Sphären.“[8]

Diese wahre Leerheit, wunderbare Sein oder Tonlose, Geruchlose fern von Formen ist ein Zustand im Hier und Jetzt und ist allgegenwärtig, im Einklang mit dem Dao, dem absoluten Ursein, dem Buddhawesen. Dies ist die Erkenntnis, das Erwachen, das die Einweihung in die Drei Schätze bringt, deshalb heißt es auch die „Übermittlung des Dao“. Der Zweck der Drei Schätze Herzenslehre ist somit die Überwindung der materiellen und energetischen Sphäre und die Rückkehr zum absoluten Sein ((chāo)()(yuè)(xiàng)()()).

Was sind die Drei Schätze?

Die Drei-Schätze-Herzenslehre ((sān)(bǎo)(xīn)()) ist also ein wichtiger Grundpfeiler und eine zentrale Praxis­methode des Weges der Einheit. Die sog. Drei Schätze ((sān)(bǎo)) sind:

1. Das geheime Portal
2. Das stille Mantra
3. Die Mudra der Einheit

Das geheime Portal ((xuán)(guān))

Eine Stelle im Stirnbereich, die während der Einführungs­zeremonie vom Initiiermeister mit dem Finger initiiert wird, wird recht poetisch als das „Tor zum ursprünglichen Sein“ bezeichnet. Hier vollzieht sich die Transmission des „himmlisch natürlichen Sinnes“ ((xìng)()(zhēn)(chuán)), der Weckung der sog. Buddhanatur (()(xìng)) oder des Urwesens ((běn)(xìng)) bzw. des Erlangens des Dao (()(dào)). Das Portal ist die Schnittstelle zur Überwindung des materiellen und energetischen Seins und der Rückkehr zum absoluten Wesen ((chāo)(xiàng)(yuè)()()()). Dadurch gelangt man zum nichtigen Urgrund (()()), dem natürlichen Wesen frei von Entstehen und Vergehen (()(shēng)()(miè) (chāo)(shēng)(le)()). Das ist der Schatz auf der geistigen Ebene und die Grundlage des Bewusstseins und der Gedanken ((yuán)(shén)).

Aus  der formhafter Sicht im energetischen und materiellen Dasein wird dieses Portal mit dem Haupteingang eines Hauses verglichen. Man möge doch über dieses ins und aus dem Haus gehen und nicht über eines der Fenster oder Nebentüre. Augen, Nasen, Ohren, Mund, Scheitelpunkt etc. repräsentieren sinnbildlich die Fenster oder Nebentüre, also die anderen Öffnungen.  Es heißt, unser Geistwesen stammt vom absoluten Himmel und ist bei Geburt über das Haupttor hinein gekommen, deshalb soll es auch über das gleiche Tor wieder hinausgehen, um zum absoluten Himmel zurückzukehren. Allerdings erkennt es dieses in der Verblendung nicht mehr und tritt aus einem der Fenster oder der Nebentüre hinaus, von welchem es angezogen wird. Dadurch verbleibt es in den energetischen und formhaften Welten und ist dem Kreislauf von Geburt und Tod unterworfen.

Ein Zitat vom Erhabenen Lehrer bringt uns die Bedeutung des geheimen Portals für die Praxis näher:

Unterschätze nicht den Fingerzeig des Erhabenen Lehrers, des Initiiermeisters. Diesen Fingerzeig bezeichnet man als „die Besiegelung [des Buddhatums]“, auch heißt er „die Läuterung des Geistes“. Er hilft euch den eigenen Herrn zu finden, er öffnet das Tor [zum Verlassen des Kreislaufes] von Geburt und Tod. Das ist eine großartige Sache, verstehe es daher [den Fingerzeig] wertzuschätzen.

Der Fingerzeig an dieser Stelle läutert euren Geist und dient der geistigen Sammlung. Wache über das Tor, sodass die zehntausend Gedanken zu einem Gedanken werden. Auch diesen Gedanken lässt ihr los. Dies ist dann euer ursprüngliches Antlitz.

Das geheime Portal ist ein Tor, ein Anhaltspunkt. Mach das Tor auf und geh hinein. Dort werdet ihr den wahren Herr finden. Schreite daher tapfer voran. Dies ist der Grundstein der Praxis. Diese ist nicht nur auf die Sitzmeditation beschränkt, sondern egal ob beim Gehen, Stehen, Sitzen oder Liegen zähmt ihr Geist und Körper und fokussiert euch gedanklich auf das Tor. Verlasst nicht diesen Fokus und verweilt so ununterbrochen in Fluss.

Die Sammlung des Geistes beim geheimen Portal lässt keine falschen und unaufrichtigen Gedanken aufkommen. Gedanken, die dem geheimen Portal entspringen, sind positive Gedanken, diese sind aus dem Sinn der Barmherzigkeit, Großzügigkeit und Weisheit. […] Auf dieser Art alle Angelegenheiten angehen: so werdet ihr mit dem Geist des Lehrers im Einklang sein. […] Sammelt man im Alltag häufig den Geist beim geheimen Portal, wird sich die positive Energie entfalten: diese ist die Bedingung von gutem Karma.“ [9]

Das stille Mantra ((kǒu)(jué))

Ein Mantra von fünf Tönen, die im Chinesischen nicht schriftlich niedergelegt werden können, da es für sie kei­ne Schriftzeichen gibt. Mit dem Segen der himmlischen Mutter versehen, sind die Töne im Einklang mit dem Geist des Ahnlehrers und aller Heiligen und Weisen. Die Frequenz der Töne kann energetisches Ungleichgewicht ausgleichen und den Geist zur natürlichen Klarheit und Ruhe zurückführen. Deshalb werden sie  als Meditationsobjekt genutzt, um zur Sammlung und Kon­zentration zu verhelfen. Traditionell wird gesagt, dass sie auf diese Weise vor negativen Einflüssen schü­tzen. Diese Übung bezeichnet man auch als „die Umkehr des Gehörsinnes zum Hören auf das eigene Wesen“. Das ist der Schatz auf der energetischen Ebene und die Grundlage des Gemüts bzw. der Gefühle und Emotionen.

Volkstümlich wird das Mantra in einer plakativen Vorstellung mit einem Code verglichen, welches den Zugang zur absoluten Himmelsphäre ermöglicht.

Zur Bedeutung vom stillen Mantra für die Praxis ziehen wir wieder die Worte vom Erhabenen Lehrer heran:

„Zu allen Zeiten den Geist sammeln, hege weder gute noch schlechte Gedanken, sei ohne Anhaftungen, stets das Mantra still rezitieren, […] stets die Drei Schätze üben, um weltliche Emotionen, Schmerzen und Belastungen loslassen zu können. Sich von den karmischen Belastungen befreien und Tugend üben. So nähert man sich den Heiligen und Buddhas.

Hat der Praktizierende den Sinn [der Übung wahrhaftig] begriffen, brauchen wir, wann immer wir wahnhafte Gedanken hegen und unser Herz hohe Wellen schlägt, einfach nur entschlossen und gewissenhaft das Mantra rezitieren, und falsche Gedanken werden auf Anhieb spurlos verschwinden: So wie Wolken und Nebel, die sich bei Sonnenschein vollkommen auflösen.

Wenn der Praktizierende häufig das Mantra rezitiert, geht er nicht nur eine gute karmische Beziehung mit Buddha Maitreya und seinem reinen Land ein, sondern er erlangt auch die Reifung [der Frucht] der Übung: Man rezitiert, ohne zu rezitieren, und kein bisschen Falschgedanken kommt noch hoch. Somit hört der Kreislauf des Samsara auf, Geburt und Tod (Entstehen und Vergehen) kommen zum Ende. Erst dann ist man fern von Unheil und Leiden.

Alle Belastungen und falsche Gedanken sind Unheil und Leiden. Das Mantra rezitierend, streben wir nicht nach dem Paradies im Außen, sondern dem reinen Land im Inneren: im eigenen Urwesen ist der heilige Tempel, dem Urwesen entspringt der Weihrauch, das Mantra rezitierend, das geheime Portal hütend.“[10]

Die Mudra der Einheit (()(tóng)

Ist eine Handhaltung, die die reine kindliche Natur und die Rückkehr zur Einheit symbolisiert. Die auf eine spe­zielle Weise zusammengelegten Hände stehen für den Zusammenschluss des Energiekreislaufes von Yin und Yang. Wie oben im Kapitel über die Kosmologie aus­geführt, wird die Vereinigung von Yin und Yang das Taiji genannt. Über das Taiji führt der Weg zurück zum Wuji, welches in der Himmlischen Mutter personifiziert dargestellt wird. So drückt die Mudra der Einheit also ein „Zurück zum Ursprung“ aus. Sie ist der Schatz auf der materiellen Ebene und die Grundlage des physischen Körpers.

Im Volkstümlichen symbolisiert diese Mudra ein von der himmlischen Mutter gesegnetes Siegel, welches beim Eintritt in den absoluten Himmel als Beweis dafür dient, Kind der himmlischen Mutter zu sein. Aufgrund dieser Segnung bringt diese Handlung daher auch Schutz in einer Phase zahlreicher Katastrophen.

In der Praxis symbolisiert die Mudra der Einheit die Handlung aus dem natürlichen, schicklichen Sein. Durch die Übung der Schicklichkeit optimiert man den energetischen Zustand durch die Korrektur der Körperhaltung, um schließlich körperlich und geistig dem natürlichen Wesen zu entsprechen. Dazu übt man das traditionelle konfuzianische Ritual mit der Übung des sog. Kou-Shou ((kòu)(shǒu)),was wörtlich „den Kopf zu Boden drücken“ bedeutet. Von der Form her sieht sie aus wie eine Art Knien- und Beugeübung. Der Erhabene Lehrer erklärt das Grundprinzip dieser Übung wie folgt:

Übe das Kou-Shou mit reinem Herzen, kehrt das Licht (des Geistes) um zur Selbstbeleuchtung. Streckt dabei die Sehnen und die (Energie-) Meridiane. Entspannt den Kopf. Hände und Kopf bewegen sich synchron. Gestützt wird der Körper von den Beinen. Bewege daher nicht nur den Kopf oder nur die Hände. Spannung und Entspannung wechseln sich ab. Bewege fließend durchgehend einheitlich, im Sinn vom Geist des Weges der Einheit. Übe mit reinem Herzen. Das Ziel der Übung ist die Kultivierung des respektvollen und bescheidenen Gemüts. Wenn die Körperhaltung korrekt ist, können Blockaden an den Energiemeridianen aufgehoben werden. Dies fördert die Gesundheit.

Bei dieser rituellen Übung des Kniens und Beugens ehrt man letztlich sich selbst, nämlich dem eigenen natürlichen Wesen. Dieses eigene Wesen ist der Buddha (Gott)! Wo findet man daher den wahren Buddha (Gott)? Dein eigenes Wesen ist Buddha (Gott), ist ein Bodhisattva (ein Heiliger). Man braucht diesen nirgends woanders suchen![11]

Die Einführungszeremonie

Die Drei Schätze werden in einer feierlichen Zeremonie – „der Einführung ins Dao“ ((qiú)(dào)) – vom „Initiiermeister“, dem „Dianchuanshi“ ((diǎn)(chuán)(shī)), an den Schüler übermittelt. Die Voraussetzungen dafür sind seit der Reform der Gemein­schaft ab der neuen Ära vom 17. Ahnlehrer dra­stisch vereinfacht worden und beschränken sich nur noch auf die folgenden Bedingungen:

  • die Empfehlung durch zwei „bürgende Tutoren“, die „Yinbaoshi“ ((yǐn)(bǎo)(shī)), die versichern, dass der Kandidat wür­dig ist, das Dao zu empfangen, und dass das Dao wahr und die Gemeinschaft vertrauenswürdig ist, 
  • und eine symbolische Spende als Zeichen des Willens und Verdienst zur Erlangung des Dao ((gōng)()(fèi)).

Die Zeremonie beginnt mit dem Anzünden der drei göttlichen Lichter am Altar in einem dazu eingeweihten Tempel. Das oberste Licht symbolisiert die „himmlische Mutter“ und den absoluten Himmel (()(tiān))[1], das linke Licht den energetischen Himmel (()(tiān)) und das rechte Licht die materielle Welt ((xiàng)(tiān)). Dann werden Opfergaben (Obst, Früchte) dargebracht. Nun folgt eine Schutzanrufung an die himmlische Mutter, an die Buddhas und an die Heiligen, während eine Schriftrolle mit den Namen der Einzuführenden verbrannt wird. Dies hat die symbolische Bedeutung, sich als Schüler der Lehrer im absoluten Himmel zu registrieren. Sodann legen die beiden bürgenden Tutoren ihr Gelübde ab. Nun sprechen die Kandidaten das Gelübde zur Einführung:

„Ehrerbietig vor dem Thron des All-erleuchteten Him­melsherrn kniend, ersuche ich heute, mit aufrichtigem Herzen, das große Dao und die wahre Transmission des natürlichen Sinnes  zu empfangen. Da­nach werde ich diese im Herzen bewahren, gewissenhafte Demut üben und mich kultivieren. Wenn ich heucheln, vor Schwie­­rigkeiten zurückschrecken, die Meister be­trügen, Dao Ältere geringschätzen, die Ordnungs­prin­zipien des Dao missachten, die himmlische Botschaft[2] verraten, das Dao nicht entfalten und es nicht nach Kräften fördern sollte, bin ich bereit, mich der Verurteilung von Himmel und Menschen zu unter­ziehen.“[12]

Das Gelübde stellt wohl nur eine moralische Willenserklärung dar. Die einzige wirkliche Verpflichtung ist die Geheimhaltung der Drei Schätze. Es heißt, man ist dazu bestimmt, diese zu erhalten, aber ihm ist es nicht gestattet, diese weiter zu geben. Zusammengefasst erklärt sich der Schüler bereit, die Lehre vom Lehrer zu erhalten, sich damit aufrichtig zu kultivieren und die Interessen der Schule zu wahren.

Diese Zeremonie geht in ihren Grundzügen bis auf die Zhou Dynastie  (11. Jh. v. Chr.) zurück und ist somit über 3000 Jahre alt. Ursprünglich stand sie mit Ritualen zur Ver­ehrung des Himmels und der Ahnen im Zusam­menhang und ist ein seltenes und wertvolles Stück alter chine­sischer Kultur.

Zeremonien haben generell immer die Bedeutung, Re­spekt und Wertschätzung für etwas auszudrücken. So geht es in diesem Zusammenhang eben auch darum, ein Bewusstsein dafür wachzurufen, dass die Drei Schätze des Dao eine authentische, altehrwürdige Tradition ha­ben, und so ihre „Echtheit“ bezeugen. 


[1] Näheres zu Göttlichkeit, Himmel usw. in diesem Kontext bitte siehe Erläuterungen im Kap. „Dao“ und „Kosmologie“

[2] Gemeint sind hier die „drei Schätze“. Man gelobt damit zur Geheimhaltung derselben. 


[1] 六祖坛经云:菩提自性,本来清净,但用此心,直了成佛。

[2] 大学之道,在明明德,在亲民,在止于至善。 知止而后有定;定而后能静;静而后能安;安而后能虑;虑而后能得。

[3] 至善即至理也,至理即不睹不闻之神,无声无臭之天,无思无为之性。斯理也,在天谓之天理,在地谓之地理,在人谓之性理,在物谓之物理,在事谓之事理,文有文理,道有道理,故穷理然后尽性,穷神方能知化(理数合解 大学解——在止于至善)

[4] 人自有体之后,私欲渐生,私心为阴气,天性为干阳,回光返照,就是以真阳而化私阴,内练阴气,外炼僻气内外同时加工,使之平均,勿要过于不及,久而久之,自得大中和矣。(道义疑难解答 54 何为修炼)

[5] 人在后天,思念是多的,向外思则顺,向内思则逆,顺行为鬼,逆行为道,换言之,放作鬼,收作圣,故劝人学道,则曰回心,回心即回思,回思即回光返照也,一时有闲,若肯收心于这里,人我两忘,一念常存,便是离苦得乐的法则。(道义疑难解答 55 何为回光返照)

[6]  喜、怒、哀、乐之未发,谓之中。发而皆中节,谓之和。中也者,天下之大本也。和也者,天下之达道也。致中和,天地位焉,万物育焉。

[7] 宇宙是一大天,人是一小天,换言之,人是一小宇宙,宇宙有理气象,人之骨肉和其他形体是象,呼吸和流通周身的气是气,主宰全身的性是理,人之象和宇宙之象相接,人之气与宇宙之气相通,人之性和宇宙之理相通,如果宇宙之气胜于理时,宇宙的万事万物,便失其中和,则迷真逐妄,纵情逐欲,自坠轮回,流浪生死,永无止矣。(道义疑难解答 57 何为天人统体之旨)

[8] 佛传真空,道传妙无,儒则扫除声色之化民,如毛之非是,必穷至无声无臭而后矣,已夫如毛非至离象也。声臭全无离气也。离象离气而至于无极之理矣。无极之理,即佛之真空,道之妙有也,复理则还于无极理天,反本复始,而超出劫外矣。盖劫火之灾,灾于有象之物,而不灾无形之理之神,开天收天主之者,无生真宰也。而为之者,三极圣贤也。(理数合解 大学解——古之欲明明德于天下者,先治其国;欲治其国者,先齐其家;欲齐其家者,先修其身;欲修其身者,先正其心;欲正其心者,先诚其意;欲诚其意者,先致其知;致知在格物。物格而后知至,知至而后意诚,意诚而后心正,心正而后身修,身修而后家齐,家齐而后国治,国治而后天下平)

[9] 不要小看明师、点传师的玄关一指,这一指点是名「授记」,是名「明心」,是指点大家找到自己的真主人,点开生死窍门,不可轻视,得此是一大事因缘,好好自加珍惜。◎三宝的第一宝,点在这里,让你明心,让你守玄,把万念归于一念,再把这一念放下来,那就是你本来的面目。◎ 玄关是个门,是下手处,开了正门往里走,才能找到真主人,百尺竿头,更进一步,欲穷千里目,更上一层楼。◎有志于道者,以「守玄」功夫为修行之基石,守玄功夫非专指打坐禅定而言,而是在行、住、坐、卧中常收束身心,取念于前,意守玄关,念念不离而相续。◎把心收回玄关,就不会起邪念和妄想。从玄关发出的念头,都是正念,都是慈悲心、喜舍心、智慧心。轻提心念在玄关,再用玄关去听、去看、去应对一切事物,如此便能与师以心印心。[…] 一个人若平日能够时常「守玄」,祥和之气自然会引发善因缘的发生。(活佛师尊慈语)

[10] 时时念头守一,不思善,不思恶,不执着,五字真言时时默念,[…] 时时刻刻用三宝,放下人世间的情爱、痛苦、烦恼,债清德立,就渐渐与仙佛接近了。◎ 修子若能明白其中体用妙意,在妄念不能降伏澎湃心海之时,只要诚诚恳恳地持此真经默唸数遍,而妄念顿时就无影无踪。犹如太阳之光明一照,自然云消雾散一样。修子若能常常持此咒,不但与弥勒佛结了赴龙华会之圣缘,久久功纯,持而无持,妄念一丝不起,则轮迴即止,生死即了。而轮迴止,生死了,方是真正之脱劫避难。◎ 一切烦恼、妄想都是劫难,默念五字真言,不是外求淨土,而是内生淨土,用自性佛堂,献自性心香,诵无字真经-守玄。

[11] 磕头心要诚,要回光返照,筋脉拉直,头部放松、手和头一起动,力量由脚来支撑。「叩首」非「叩手」。磕头的动作,有发有收,头尾动作一贯,这是一贯之道的精神。叩首要诚心。叩首的目的在于养成恭敬谦和的心,而且叩首的姿势正确,可打通经脉,有益身体健康。◎ 叩首、跪拜,是在拜你自己呀!拜什么?拜你的自性。自性就是佛啊!何处觅真佛?你的自性就是佛,你自己就是菩萨,还要不要到处去拜佛?

[12] 虔心跪在明明上帝莲下。今天愿求发一大道、性理真传。求得之后,1诚心抱守,2实心忏悔(修炼),3如有虚心假意、4退缩不前、5欺师灭祖、6藐视前人、7不遵佛规、8泄露天机、9匿道不现、10不量力而为者,愿受天人共鉴。(十条大愿)

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