In einer späten Nacht, als der Mond in fahlem Licht die Welt erhellte, erwachte der Schlüssel aus seinem Schlaf. Das Schloss, alt und stolz, hatte ihn geweckt und begann klagend zu sprechen: „Tag für Tag bewache ich treu dieses Haus, doch unser Herr liebt stets nur dich, nimmt dich überall mit. Ist das nicht ungerecht?“ Der Schlüssel, selbst beladen mit Kummer, entgegnete: „Du verweilst jeden Tag bequem hier zu Hause, während ich mit unserem Herrn hinausmuss, bei Sonne und Regen. Wie mühselig ist doch mein Los!“
Der Schlüssel, fest entschlossen, die Ungerechtigkeit dem Herrn zu zeigen, verbarg sich eines Tages. Als der Herr heimkehrte und vor der verschlossenen Tür stand, verzweifelt und ohne Einlass, blieb ihm nichts anderes übrig, als das Schloss zu zerstören. Das einst stolze Schloss fand sich zerschmettert im Mülleimer wieder. Der Schlüssel erschien daraufhin, doch auch er wurde von dem Herrn verächtlich in den Müll geworfen.
Im kalten Metall ihrer neuen Heimat seufzten Schloss und Schlüssel gemeinsam: „Hätten wir nur die Weisheit besessen, unseren Groll beiseitezulegen und den Wert des anderen zu erkennen, wären wir nicht in diesem elenden Zustand verendet.“
In der Einheit des Lebens, sei es die enge Verbindung einer Familie, der Zusammenhalt am Arbeitsplatz oder das komplexe Gefüge der Gesellschaft, der Welt und des Kosmos, liegt der Schlüssel zu wahrem Nutzen. Gelingt es uns, in Harmonie mit unserem Umfeld zu leben und uns zu vereinen, so werden wir gemeinsam den größten Nutzen daraus ziehen. Versäumen wir dies jedoch, ist der Schaden für jeden unvermeidlich.
Kategorien:Anekdoten

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