
Ein Zen-Meister war auf einer langen Reise durch die Berge, als er in einem kleinen Dorf einem Gefährten begegnete, der ihn aus unerklärlichen Gründen nicht mochte. Tag für Tag folgte dieser ihm, diffamierte und beleidigte ihn auf jede erdenkliche Weise.
Der Zen-Meister blieb stets gelassen; sein Gesicht zeigte keine Spur von Ärger oder Unruhe. Er setzte seinen Weg fort, als ob die Worte des Gefährten ihn nicht erreichten. Die Dorfbewohner beobachteten die Szenen mit wachsendem Interesse und Respekt für die unerschütterliche Ruhe des Meisters.
Eines Abends, nach vielen Tagen der
Beschimpfungen, als die Sonne gerade hinter den Bergen verschwand und die ersten Sterne am Himmel funkelten, sank der Gefährte erschöpft zu Boden. Seine Stimme war heiser von den vielen Beleidigungen, seine Energie aufgebraucht. Er schaute den Zen-Meister an, der in der Nähe eines Lagerfeuers saß und meditierte, und fragte schließlich mit verzweifelter Neugier: „Wie kannst du so ruhig bleiben, obwohl ich dich ständig beleidige?“
Der Zen-Meister öffnete langsam die Augen und lächelte ihn an. Er stellte eine Gegenfrage: „Wenn jemand dir ein Geschenk macht, aber du es ablehnst, wem gehört dann dieses Geschenk?“
Der Gefährte war zunächst verwirrt, doch nach kurzem Nachdenken antwortete er: „Es gehört der Person, die das Geschenk ursprünglich machen wollte.“
Der Zen-Meister lächelte sanft und sagte: „Genau. Wenn ich deine Beleidigungen nicht annehme, dann beschimpfst du letztendlich nur dich selbst.“
In diesem Moment erkannte der Gefährte die
Weisheit in den Worten des Meisters. Eine tiefe Scham und Reue überkamen ihn. Er setzte sich neben den Zen-Meister und sagte mit gebrochener Stimme: „Bitte verzeih mir, Meister. Ich habe dich falsch behandelt.“
Der Zen-Meister legte ihm beruhigend eine Hand auf die Schulter und sagte: „Wahre Stärke liegt nicht in der Macht der Worte, sondern im Frieden des Herzens. Möge dieser Frieden auch dein Herz finden.“
Die Dorfbewohner, die das Gespräch mitgehört hatten, waren tief berührt und nahmen die Lehre des Zen-Meisters in ihre Herzen auf. Der Gefährte blieb fortan an der Seite des Meisters, nicht als Gegner, sondern als Schüler, und lernte die Kunst der Gelassenheit und des inneren Friedens.
Kategorien:Anekdoten
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