Anekdote: Es geht ja nur um eine Schale Reis


Dan und Meng waren enge Studienkollegen und hatten nach ihrem Studium beide rasch die gewünschten Arbeitsstellen gefunden. Doch nach einigen Jahren fühlten sie sich von ihrem Arbeitsalltag enttäuscht und frustriert. Rückschläge und schwierige Arbeitsverhältnisse hatten ihren anfänglichen Enthusiasmus gedämpft. In ihrer Verzweiflung beschlossen sie, Rat beim berühmten Zen-Meister im fernen Kloster zu suchen.

Sie wanderten lange durch Berge und Wälder, bis sie schließlich das abgeschiedene Kloster erreichten. Dort fanden sie den Meister in tiefer Meditation vor. Sie erzählten dem Meister von ihrem Anliegen und stellten ihm ihre drängende Frage: „Sollten wir unsere Arbeit kündigen, die uns so unglücklich macht und unter der wir so sehr leiden?“

Der Zen-Meister schwieg lange, verharrte in seiner Meditationshaltung, und öffnete schließlich kurz die Augen. „Es geht ja nur um eine Schale Reis“, sagte er leise, schloss dann wieder die Augen und versank erneut in die Meditation.

Dan und Meng waren verwirrt, doch sie interpretierten die Worte des Meisters auf ihre Weise. Dan entschloss sich, seine Arbeit zu kündigen und in seine ländliche Heimat zurückzukehren, wo er beschloss, Landwirt zu werden. Meng hingegen blieb bei seiner Stelle und versuchte, eine neue Einstellung zu seiner Arbeit zu entwickeln.

Zehn Jahre vergingen. Dan hatte sich zu einem erfolgreichen Landwirt entwickelt, seine Felder blühten und er war zufrieden mit seinem einfachen, aber erfüllten Leben. Meng hingegen hatte es geschafft, CEO des Konzerns zu werden. Durch seine neue Gelassenheit und innere Ruhe konnte er die Herausforderungen seiner Arbeit meistern und hatte sich ebenfalls ein erfülltes Leben aufgebaut.

Eines Tages, nach all diesen Jahren, trafen sich Dan und Meng wieder. Sie tauschten ihre Erfahrungen und Erkenntnisse aus. Dan sagte: „Es geht ja nur um eine Schale Reis. Warum sollte ich mich mit einer Arbeit quälen, die mich unglücklich macht? Ich habe mir meine Schale Reis auf eine andere Weise verdient, und es hat sich als die richtige Entscheidung erwiesen.“

Meng erwiderte: „Ja, es geht ja nur um eine Schale Reis. Warum sollte ich die Rückschläge und Schwierigkeiten so ernst nehmen? Als ich aufhörte, mich darüber zu ärgern und nachtragend zu sein, erschienen mir die Probleme plötzlich viel kleiner. Diese Einstellung hat mir geholfen, erfolgreich und zufrieden zu werden.“

Trotz ihrer unterschiedlichen Wege waren sie sich nicht einig, wer von ihnen den Rat des Zen-Meisters richtig verstanden hatte. Also beschlossen sie, noch einmal den Meister aufzusuchen. Als sie ihm ihre Geschichten erzählten, lächelte er weise und sagte nur: „Es geht ja nur um einen einzigen Gedanken.“

Diese Worte ließen Dan und Meng in tiefes Nachdenken versinken. Schließlich erkannten sie, dass der wahre Schlüssel zum Glück und Erfolg nicht in der äußeren Situation liegt, sondern in der inneren Einstellung. Beide Wege waren richtig, denn beide hatten durch ihre jeweilige Entscheidung Frieden und Zufriedenheit gefunden. Es war der Gedanke, der sie befreite – der Gedanke, der ihnen half, ihre Schale Reis auf ihre Weise zu verdienen und dabei Erfüllung zu finden.



Kategorien:Anekdoten

Hinterlasse einen Kommentar