Erfahrungsbericht Retreat 2024 von Maryia Zhuk

„Loslassen, loslassen…“

Das war meine erste Erfahrung, an einem Retreat teilzunehmen. Und es kam genau zur richtigen Zeit …

Es ist nicht einfach, alle meine Eindrücke, Gefühlen und Offenbarungen in einem kurzen Bericht zu erwähnen, aber ich versuche.

Schwankende Bäume in der Ferne … Ich saß auf der Tempelschwelle und beobachtete die Ferne. Keine Gedanken, Ablenkungen, Gespräche oder Neigung, mit jemandem in Kontakt zu setzen. Nur ich und die vom leichten Wind schwankende Bäume. Wann war es zum letzten Mal, dass ich so friedlich, so entspannt und ohne Ziel die Natur beobachtet habe? Wann war es möglich, dass ich alle Sorge, Tasks und Verantwortlichkeiten, aber auch Ideen, Gefühle hinter mich lasse und mir selber eine richtige Zeit widme? Ohne von jemandem gestört zu werden. Endlich mal in Jahren habe ich keine Ausreden mehr gehabt und einfach
geübt.


Loslassen – das Konzept hat mich mit seiner Tiefe gewundert. Man lässt nicht nur negativen Gedanken, Beurteilungen, Kritik, Vergleiche, sondern auch schöne Erinnerungen, positive Gefühle, eigene Persönlichkeit los. Man kann genauso (wenn nicht tiefer) an die guten Sachen anhaften, sodass es mehr Angst und Ungeduld erzeugt, die potenziell zu verlieren.

Für mich, als Psychologin, war es interessant zu beobachten, wie der Prozess des Retreats organisiert wurde. Ich hab mich wiederum überzeugt, wie wichtig ist es, eine geistige oder spirituelle Arbeit zu üben. Tief habe ich begriffen und gespürt, wie unterschiedlich die emotionale und die spirituelle Ebene ist.

Während des Retreats habe ich meine emotionelle Reife gefühlt, indem ich mich beobachtet habe, wie genau ich mit den Emotionen zurechtkomme. Es war nicht schwierig, und das hat mich sehr gefreut.

Obwohl ich mich für spirituell entwickelt halte, bin ich mir bewusst geworden, dass man in die Praxis bescheiden und respektvoll einkommen soll, ohne sich in Hochmut zu verwickeln.

Jeden Abend vor dem Schlaf habe ich mich für den Tag bedankt und doch einen kleinen Raum für den Zweifel gelassen, falls mich/meinen Geist morgen die Schwäche überkommt, … es ist nicht passiert, aber ich habe es als Mögliches angeschaut.

Was ich noch bemerkt habe, war der richtige Genuss, im Schweigen zu bleiben. Ich war nicht wirklich inspiriert, wieder zu sprechen, zu beginnen, da ich mich noch nie so wohl und „in mir“ gefühlt habe, wie ich bei der totalen Ruhe miterleben konnte.

Hier konnte ich aber wieder eine Gefahr sehen, indem ich mich von den Menschen und Leben generell distanziere und in mir voll vertiefe.

Daher war und bin ich tief am Herzen dankbar, dass das Retreat zustande gekommen ist, und wir einen richtigen Platz, Raum und Zeit für ein tiefes Eintauchen in sich selbst gehabt haben. Im Alltag soll man das ganze erstmal einstellen.

Mehrere Offenbarungen waren von mir auf diesem Retreat erlebt. Ich würde gerne einige hier mitteilen, die ich besonders wichtig finde.

  1. Loslassen, alles, was dir nicht gehört, auch den Willen etwas jemandem zu
    schenken. Ab und zu hüllen wir uns in Tugendhaftigkeit, um Anerkennung zu erlangen. Reine Aktionen sind die einzige, die unserem Geist dienen.
  2. Richtig fokussieren.
    Wenn man sich auf das Schlechte (Nicht-Korrekte) fokussiert, erzielt man keinen Fortschritt, selbst wenn man viel übt. Auch im Leben kann man 100 Tätigkeiten ausführen, die uns unserem Ziel nicht näherbringen, sondern nur unsere Energie rauben.
  3. Lieben ≠ besetzen.
    Besetzen tötet Liebe. Lieben kann man nur freiwillig, ohne zu besetzen.
  4. Ohne Entspannung am Schluss wird’s nichts.
    Erholung und Relax sollen sein. Das ist besonders wichtig für mich, da ich oft mehrere Aktivitäten auf einmal mache und mir keine Erholung gebe.
  5. Anhaftendes Herz kann zur Übertreibung bringen. Die Geschichte über den Mönch, der sich wegen des Sprungs auf dem Spiegel umgebracht hat, soll ein drastisches Beispiel sein, was der Preis von einer extremen Leidenschaft sein kann.
  6. Der Geist hat es an sich einfach, er kann überall praktizieren und erwachen, in einem Raum oder unter einem Baum, unabhängig davon wie reich, schön oder richtig die Person ist. Die anspruchsvolle ist die Persönlichkeit. Diese stellt hohe Ansprüche an uns, da sie ein Produkt der Gesellschaft ist. An der Persönlichkeit haben wir jeden Tag, jahrelang, zu bauen.
  7. Man kann das Herz (absolutes, energisches, emotionales) kultivieren sowie den materiellen Körper.
  8. Liebendes Herz ist die stärkste Kraft von allen.
    Mit Liebe schaut alles anders aus.
  9. Es reicht nicht ein gutes Herz zu haben, man soll noch weise sein, um es zu
    schützen.

Diese Schätze sowie eine erneute, erholte, stärkere Version von mir (meinen Körper, Geist und emotionalen Teil) habe ich von dem Prozess mitgenommen.

Ich spüre immer noch viel Liebe, Respekt und Mitgefühl allen Teilnehmern und Organisatoren gegenüber.

Vielen lieben Dank für die Erfahrung, die richtig reich macht!

LG,
Maryia Zhuk



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