Anekdote: Der Zen-Meister und das uneheliche Kind


In Japan gab es einen Zen-Meister namens Hakuin. Er war von großer Tugend, hoch in seiner Praxis und weit bekannt, und genoss tiefen Respekt und Lob von den Menschen.

In der Nähe des Klosters, in dem Hakuin lebte, wohnte eine Familie mit einer sehr schönen Tochter. Eines Tages stellten die Eltern plötzlich fest, dass der Bauch ihrer Tochter gewachsen war, was sie sehr verärgerte. Eine junge Frau, die sich in solch einer Verlegenheit befindet, war für sie unvorstellbar. Zunächst wollte sie den Namen des Vaters des Kindes nicht preisgeben, doch unter dem Druck ihrer Eltern verriet sie schließlich den Namen „Hakuin“.

Die Eltern konnten ihre Wut nicht zügeln und stürmten in das Kloster, um Hakuin heftig zu beschimpfen. Doch der Zen-Meister blieb ruhig und fragte gelassen: „Ist das so?“

Als das Kind geboren wurde, brachten die Eltern es zu Hakuin und sagten: „Du bist der Vater des Kindes, daher solltest du es auch aufziehen.“ Diese Schandgeschichte verbreitete sich schnell im Dorf und beschädigte Hakuins Ruf erheblich, sodass niemand mehr zu ihm kam.

Trotzdem gab Hakuin das Kind nicht auf. Er kümmerte sich sorgfältig um das Kind, bat überall um Milch und andere Dinge, die das Baby benötigte, und ertrug dabei viele Beleidigungen und Spott: „Dieser schlechte Mönch!“ „Dieser unmoralische Mönch!“

Aber Hakuin ließ sich durch diese Demütigungen nicht aus der Fassung bringen und zog das Kind still und beharrlich auf. Mit der liebevollen Pflege von Hakuin wuchs das Kind Tag für Tag. Die Mutter des Kindes konnte ihr schlechtes Gewissen schließlich nicht mehr ertragen und offenbarte ihren Eltern die Wahrheit: Der leibliche Vater des Kindes war ein junger Fischverkäufer vom Markt.

Nach der Offenbarung der Wahrheit verspürten die Eltern tiefes Bedauern und große Ehrfurcht vor Hakuin. Beschämt und reuevoll kamen sie zurück ins Kloster, um sich bei Hakuin zu entschuldigen und um Vergebung zu bitten. Sie wollten das Kind mitnehmen, um Hakuins Ruf wiederherzustellen.

Hakuin wurde nicht wütend und sagte ruhig: „Ist das so?“ und gab ihnen das Kind zurück. Es war, als ob nichts geschehen wäre.



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