Es war einmal ein weiser Kaufmann namens Liang, der auf einer langen und beschwerlichen Geschäftsreise in fernen Ländern ein beträchtliches Vermögen verdient hatte. Auf dem Rückweg zu seiner Heimatstadt begegnete er einem geheimnisvollen Mann namens Ming, der ihm anbot, sein schweres Gepäck zu tragen. Dankbar nahm Liang das Angebot an, und sie setzten ihre Reise gemeinsam fort.
Jede Nacht kehrten sie in einer neuen Gaststätte ein und teilten sich aus Kostengründen stets ein Zimmer. Ming, ein geschickter Dieb, nutzte jede Gelegenheit, um das Gepäck und die Kleidung des Kaufmanns zu durchsuchen. Er wühlte durch die Koffer, tastete die Taschen ab und inspizierte sogar die Matratze, immer auf der Suche nach dem versteckten Geld. Doch trotz all seiner Bemühungen blieb er erfolglos.
Liang bemerkte Mings Suchaktionen, sagte jedoch nichts und ließ ihn weiter nach dem Schatz suchen. Er amüsierte sich insgeheim über die verzweifelten Versuche seines Begleiters. Schließlich kam der Tag des Abschieds, und Liang, voller Dankbarkeit für Mings Hilfe, wollte ihm eine großzügige Summe Geld übergeben.
Ming, erschöpft und frustriert, lehnte das Geld ab. „Ich will dein Geld nicht“, sagte er. „Aber bitte, sag mir, wo hast du es all die Zeit versteckt? Ich habe dein Gepäck, deine Kleidung, dein Bett, sogar unter dem Bett überall durchsucht.“
Liang lächelte und antwortete mit einem geheimnisvollen Glitzern in den Augen: „Mein Freund, du hast einfach an den falschen Stellen gesucht. Ich habe mein Geld immer unter deinem Kopfkissen versteckt.“
Ming erstarrte vor Staunen. Er hatte nie daran gedacht, unter sein eigenes Kopfkissen zu schauen. Ming stand sprachlos da, während Liang weiter sprach: „Manchmal suchen wir in der Welt nach Reichtum, ohne zu erkennen, dass der größte Schatz in uns selbst liegt. Die wahre Fülle findet sich nicht in materiellen Gütern, sondern in der Erkenntnis und der inneren Ruhe, die wir in uns tragen.“
Kategorien:Anekdoten

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