Buchtipps für den Einstieg in den Buddhismus

Die folgenden Empfehlungen dienen in erster Linie zum Einstieg in die Buddhalehre. Mit jedem dieser Bücher kann man sozusagen bei Null, ohne jede Vorkenntnisse anfangen. Andererseits sind sie bewusst so ausgesucht, dass sie einen auch lange bei der Praxis begleiten werden. Also nicht nur reine „Anfängerliteratur“ sind. Ausführlichere Beschreibungen folgen zu jedem der Werke separat.

Ein beliebter Einstieg in eine Philosophie ist es, eine Biografie des Gründers zu lesen. Das bietet sich auch beim Buddhismus an. Ein Klassiker unter den Darstellungen Gautama Buddhas ist kürzlich neu aufgelegt worden:

Bhikkhu Nanamoli: the Life of the Buddha

Der Engländer Nanamoli gehörte Mitte des 20. Jahrhunderts zu den ersten europäischen Bhikkhus in den Ländern des sudostasiatischen Buddhismus (in seinem Fall war es Sri Lanka). Er rekonstruiert hier das Leben Gautamas aus den Informationen, die in den Pali-Lehrredensammlungen verstreut zu finden sind. Dabei werden wie nebenbei auch die Grundzüge seiner Lehre erläutert. Es ist also neben einer Biografie Gautamas auch eine kompetente Einführung in seine Lehre.

Sinnvoll ist es neben einem solchen Kennenlernen des Gründers auch, ihn selbst möglichst authentisch zu Wort kommen zu lassen. Hier kommt nun ein anderer der westlichen Buddhamönche ins Spiel:

●  Bhikkhu Bodhi:  in den Worten des Buddha / the Words of the Buddha

Ist eine Anthologie aus den oben erwähnten Pali-Lehrredensammlungen. Der 1944 in New York geborene Jeffrey Block ist unter seinem Mönchsnamen Bhikkhu Bodhi der wohl wichtigste Übersetzer der Lehrreden Buddhas aus dem Pali. Dieses Werk ist sehr einsteigerfreundlich, da es ausgewählte Stücke aus den Lehrreden Gautama Buddhas mit Kommentaren versieht und sie thematisch ordnet. Das Ergebnis ist übersichtlicher und lesefreundlicher (und preiswerter) als seine vollständigen Übersetzungen der Sammlungen selbst. Das Buch ist neben dem englischen Original auch vom Verlag Beyerlein in Deutsch erhältlich. Man beachte aber, dass man damit eine deutsche Übersetzung der englischen Übersetzung der Palitexte in der Hand hält. Aber für ein erstes Kennenlernen der Ausdrucksweise und der Inhalte der Palitexte ist die deutsche Version immer noch uneingeschränkt empfehlenswert.

Ebenfalls im Beyerlein Verlag erschienen ist das erste original deutschsprachige Buch unserer Liste:

Alfred Weil: Morgenröte und heller Tagdie vier befreienden Wahrheiten des Buddha

Die vier edlen Wahrheiten sind gewiss ein Kernelement der Buddhalehre. Alfred Weil gelingt es sehr gut, anhand dieser die Buddhalehre umfassend vorzustellen. Es gelingt Alfred Weil, die Lehrinhalte der alten Texte in einer heutigen Ausdrucksweise verständlich darzustellen, ohne bei der Genauigkeit Abstriche machen zu müssen. Ein weiterer großer Vorzug von ihm ist, dass er, obwohl er auf den Lehrredensammlungen der Palitexte aufbaut, versucht keine der heutigen Schulen zu bevorzugen. Er lehrt also bewusst kein Theravada, sondern präsentiert hier eine Grundlage für alle heutigen Schulen.

Nun kommen wir zu Büchern, die über verschiedene Praxis – und Meditationmethoden in die Buddhalehre einführen. Zwangsläufig führte für diese Autoren der eigene Zugang über eine bestimmte Schule und Meditationspraxis. Dennoch vertreten sie einen nichtsektierischen Standpunkt und betonen die Gemeinsamkeiten der heutigen buddhistischen Schulen.

Robert Wright: Warum Buddhismus wirkt

Der Originaltitel ist interessanterweise „Why Buddhism is True„, und das wäre eigentlich die Pointe des Buchtitels gewesen. Warum der deutsche Verlag den Titel so nichtssagend verwässert hat, weiß wohl nur er selbst. Der Untertitel immerhin wurde beibehalten, und er bringt den Inhalt des Buches auf den Punkt: „Die Wissenschaft und Philosophie von Meditation und Erleuchtung“. Der Wissenschaftsjournalist Robert Wright ging mit der Absicht, die heutige Buddhismusmode als esoterischen Humbug zu entlarven, in ein 7 Tage Retreat. Er kam als Verfechter der Buddhalehre wieder heraus, weil er von seinen persönlichen Erfahrungen mit der Meditation und der Logik und Rationalität der gehörten Lehrvorträge überzeugt wurde. Vor diesem Hintergrund kann das Buch sehr gut von jedem gelesen werden, der noch gar nichts von der Buddhalehre gehört hat. Der Zugang ist persönlich und praktisch, und die Lehrinhalte werden in vorbildlicher Weise für Personen mit heutigem Background vorgestellt.

Der Themenkomplex „Achtsamkeit“ macht heutzutage nicht zuletzt durch die Arbeit von Jon Kabat-Zinn, der buddhistische Achtsamkeitsmethoden erfolgreich im psychotherapeutischen Umfeld einsetzt, von sich reden. Die Achtsamkeitsmeditation, wie sie in der Theravada Schule gelehrt wird, bietet einigen Autoren auch eine gute Gelegenheit, um die Buddhalehre vorzustellen. Auch Bhikkhu Analayo gehört in die Reihe der aus dem Westen stammenden Theravada Mönche. 1961 in Deutschland geboren, veröffentlichte er 2003 eine umfangreiche Studie zur Satipatthana Sutta (Der Lehrrede von den Grundlagen der Achtsamkeit), der zehnten Lehrrede in der Mittleren Sammlung die gleichzeitig etwas ausgeschmückt in der Längeren Sammlung als die Nummer 22 vorkommt. Sein Werk untersucht den Text gründlich und stellt die verschiedenen Ansätze, die zeitgenössische Meditationslehrer daraus ziehen, gleichberechtigt nebeneinander vor. So zeigt seine Arbeit, wie unterschiedliche Methoden sich sogar auf ein und denselben Text berufen können und dass der Buddha seine Anweisungen bewusst sehr offen formuliert hat.

Bhikkhu Analayo: Satipatthana

Ist ursprünglich auf Englisch erscheinen, es gibt inzwischen auch eine deutsche Ausgabe, dies wieder im Beyerlein Verlag. Es ist nicht unbedingt für komplette Neueinsteiger geeignet, da es eben eine akademische Studie zu einer speziellen Lehrrede ist, soll aber dennoch für diejenigen erwähnt werden, die die Wurzeln des heutigen Trends Achtsamkeit kennenlernen möchten.

Eng verwandt ist damit unser nächstes Buch.

Joseph Goldstein: Achtsamkeit

Ist ein zweibändiges Werk des 79-jährigen Amerikaners, das auf der Arbeit Analayos basiert, aber lesefreundlicher und ausführlicher geschrieben ist. Es ist insofern für Anfänger geeigneter, als es alle Aspekte der Buddhalehre, die im Satipatthana Sutta vorkommen, bespricht und so anhand dieser Lehrrede wieder einen Überblick über die Buddhalehre als Ganzes gibt.

Zuletzt noch ein origineller, sehr persönlicher Ansatz.

Daniel Ingram: Mastering the Core Teachings of the Buddha

Die Vipassana Methode des burmesischen Theravada Meisters Mahasi Sayadaw ist sehr strikt und fordernd. Genau das richtige für einen Kämpfertyp wie es Ingram ist. Nun behauptet er, innerhalb weniger Jahre das Ziel der Vipassana Praxis erreicht zu haben: Er zählt sich explizit zu den Arhats. Diese Behauptung, erleuchtet zu sein, löst überall in buddhistischen Kreisen große Empörung aus. Auch viele seiner Lehrinhalte werden vom „Mainstream Buddhismus“ scharf zurückgewiesen. Nun, Ingram lebt ein ganz normales, bürgerliches Leben, ist verheiratet und arbeitet als Chirurg in einem Krankenhaus. Sein Zugang zur Buddhalehre ist pragmatisch, bodenständig und zutiefst ernst gemeint. Er stellt die Vipassana Methode von Grund auf vor, und behandelt dabei in seinem Buch die Buddhalehre, wie sie von der Theravada Schule verstanden wird. Dabei stellt er aber ständig auch Mahayana Lehren und Methoden vor und vergleicht sie wertfrei mit seiner Schule. Sein Ansatz ist also wieder ein Vereinen der heute existierenden Schulen. Für Anfänger ist sein Buch ein auf eine bestimmte Meditationsmethode basierender, erfrischend eigenständiger und individueller, dabei aber kompetenter Zugang zur Buddhalehre, das man gewiss öfter lesen wird.



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