„Als käme ich aus einem anderen Universum“ – Erfahrungsbericht Retreat 2023

Von li. nach rechts: Initiiermeister Chen Chongnan, Chan Kwok Cheung, Tsai Suifa, Lin Chihong und Chen Hongli

Ich war das erste Mal bei einem Retreat, und das gleich 7 Tage. Das erste Mal fahren, bedeutet sehr viel Unsicherheit. ‚Was erwartet mich dort?‘ bis ‚Was muss ich mitnehmen?‘ und noch viele weitere Fragen und Vorstellungen schwirrten in meinem Kopf. Auch war mir sehr wohl bewusst, dass ich bei der Sitzmeditation zeitweise viele Schwierigkeiten habe. In Wien angekommen, hatte ich mir sofort vorgenommen, mich wirklich einzulassen und jegliches ‚Anderswollen‘ loszulassen. Vorab, das war einer der großen Gewinne: zu erleben, dass ich das schaffe und wie befreiter dann das Leben ist.

Es gibt viele Regeln, die auf den ersten Blick sehr streng sind und innerliche Widerstände erzeugen: 7 Tage, streng getaktet, ohne Sprechen (zugegeben, hat nicht immer funktioniert), ohne ‚Freigang‘, ohne Handy und vor allem keine Freiräume. Aber mir wurde im Laufe der Woche immer klarer, was der Sinn dahinter ist und jede Vorschrift ihre Berechtigung hat. Sonntagmorgen begann dann das eigentliche Retreat und ich war sehr motiviert. Besonders war ich von der Laufmeditation begeistert. Nachmittags begann es schwierig zu werden und ich musste bei den Sitzmeditationen die Beine immer wieder ausstrecken.

Ich wurde zum ersten Mal zu Meister Tsai aus Taiwan zu einem Beratungsgespräch gerufen. Ich durfte einen sehr warmherzigen, motivierenden und weisen Menschen kennenlernen, den ich im Laufe der Woche noch viel mehr schätzen lernte.

Am nächsten Tag wurden die Schmerzen ziemlich unerträglich, und ich spürte daher auch sehr viel Frustration und Widerstand. Nicht zum letzten Mal überlegte ich, das Retreat zu verlassen. Ich hatte von einem Freund das Angebot bekommen, zu ihm zu kommen, wenn es mir zu viel wird. Aber es sind ja doch nur die „inneren Dämonen“, wie ich es nenne, und denen nachzugeben ist nicht mein Wunsch. Ich hätte es bitter bereut, hätte ich das Retreat vorzeitig verlassen.

Am Dienstag ging es auf einmal viel besser. Die Schmerzen waren nicht weniger, aber ich konnte besser damit umgehen. Besonders schlimm war es immer am Abend. Dann der Schock, als es am Mittwoch wieder schlimmer war. Ich musste meine Beine immer wieder einmal ausstrecken, und außerdem begann mein linkes Knie zu schmerzen. Das war’s mit dem Laufen. Aber von Letzterem ließ ich mich nicht aus der Ruhe bringen und übte dafür die Gehmeditation umso intensiver, und entdeckte die Langsamkeit.

Seltsamerweise ging es am Donnerstag mit der Sitzmeditation wieder besser. Freitag und Samstag hatte ich dann eine andere Sitzposition, und da ging es dann überhaupt wieder gut. Besonders mochte ich auch die Aufwärmübungen am Morgen und die Yogastunde am frühen Nachmittag. Meister Tsai sagte einmal, dass die Töne (einer der drei Schätze vom Weg der Einheit) immer präsent sein sollen, und tatsächlich nahm ich dies auch wahr. Ein Beispiel: Die Yogastunde war zu Ende, und ich merkte, wie ich sofort diese Töne hörte.

Ich bin ein Mensch, der in größeren Gruppen schnell das Gefühl hat, nicht hineinzupassen, als wäre ich ein Fremdkörper. Hier aber hatte sich dieses Gefühl trotz der Probleme nicht eingestellt und ich habe mich immer sehr aufgehoben gefühlt. Ich war sehr berührt von der Achtsamkeit und dem Bemüht-Sein des ganzen Teams des Tempels.

Meister Tsai sagte am Schluss, niemand geht unverändert aus dem Retreat und das kann ich nur bestätigen. Ich spüre eine große Ruhe tief in mir. Trotz meiner Schmerzen und meiner inneren Dämonen bin ich überaus dankbar und glücklich, daran teilgenommen zu haben. Die Rückkehr in den Alltag hat sich für mich angefühlt, als käme ich aus einem anderen Universum.

Und was habe ich mir vorgenommen? Wenn es möglich ist, nächstes Jahr wieder teilzunehmen und mich vielleicht körperlich besser vorzubereiten.



Kategorien:Erfahrungsberichte/Events/News

1 Antwort

  1. DANKE, liebe Ursula, für deinen so herzwarmen Erfahrungsbericht… Jeder geht wahrlich seinen ganz einzigartigen WEG DER EINHEIT…
    Alles LIEBE von Herzen,
    Elke

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