
Eine Sieben-Tage-Reise zu sich selbst. Was widerfährt einem auf so einer Exkursion? Was gibt es da zu berichten, was andere interessieren könnte? Hm, schwierig. Denn eine Erfahrung, die man machen kann, ist es zunächst einmal, dass das sogenannte „Ich“ bei weitem nicht so unendlich wichtig ist, wie man es im Alltag vermeint.
Da ich jetzt also bereits vier solche Retreats absolviert habe, ist es interessant, die Veränderungen in der jeweiligen Einstellung zu bemerken.
Zuerst, am Anfang, war da gespannte Neugierde. Alles war neu und exotisch, und vor allem: wie wird es wohl sein, so andauernd in Meditation zu sitzen? Kann ich das überhaupt? Was wird wohl geschehen?
Nun, damals am Anfang war ich bald überzeugt, der schlechteste Teilnehmer in der ganzen Halle zu sein. Schließlich waren die Gedanken „nur bei mir“ irgendwo im Nirgendwo, und alles tat „nur mir“ so weh.
Im Laufe dieses ersten Males kam mir auch der beklemmende Gedanke, dass ich da unter buchstäblich Wahnsinnigen gelandet bin. Denn alle taten scheinbar so, als wäre es ganz normal, eine Sitzung nach der anderen zu absolvieren, abwechselnd mit schweißtreibenden Läufen in drückender Hitze und verrückten, schmerzhaften Yogaverrenkungen! War ich echt der einzige im Tempel, dem das nicht ganz fit im Kopf vorkam? Die seltsamen Geschichten, die der Retreatsleiter zwischendurch erzählte und jeweils mit der strammen Befehlsausgabe „fest üben“ beendete, trugen zu diesem Gefühl bei.
Aber halt – „sind das nicht alles genau die Streugedanken, die es zu ignorieren gilt“, fiel es mir plötzlich auf. Die Schmerzen im Körper, Empfindungen und Gefühle, Gedanken: auf einmal sah ich das aus einem ganz anderen Blickwinkel. Als dem unwichtigen, schemenhaften Etwas namens „Ich“ angehörend, das seine tragende Rolle im Leben zwar zu spielen hat, dem aber keine letztendliche Realität zukommt.
Von da an war das Üben ganz anders, aber immer noch mühsam. Zuhause spürte ich nach den ersten Retreats in den Beinen noch lange etwas wie einen Muskelkater. Aber wesentlicher waren für mich kleine Beobachtungen im Alltag: mir fiel ganz nebenbei auf, dass ich mich über manche Sachen nicht mehr aufregte, dass ich unmerklich andere Perspektiven und Sichtweisen angenommen hatte. Dies geschah ganz natürlich und undramatisch, wahrlich „von selbst“. Ich kann also bestätigen, dass es tatsächlich möglich ist, durch Üben an seinem Charakter zu arbeiten, dass ein Zuwachs an Ruhe Klarheit, Gelassenheit erreichbar ist. Dennoch bleibt man dabei irgendwie derselbe, der man war. Man hat nur zum Glück einige der vielen störenden Lasten abgelegt und macht jetzt mit Gepäckerleichterung weiter mit seinem Marsch durch das Leben.
Und das letzte Retreat? Alles fühlte sich wie selbstverständlich an. Kein Exotismus mehr, kein Grübeln, kein Zweifeln. Wenn sitzen, dann sitzen. Wenn essen, dann essen. Wenn duschen, dann duschen. Wenn schlafen, dann schlafen. Kann es etwas simpleres geben, sollte man meinen? Dennoch gehörte eine gewisse Anstrengung noch dazu, um die Konzentration aufrechtzuerhalten. Und die Geschichten des Meisters? Ich war inzwischen erfreut und überrascht, wie perfekt sie jeweils passten und die wesentlichen Punkte des richtigen Übens in Worte fassen können.
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