Anekdote: Der reiche Mann und seine vier Ehefrauen

Es war einmal ein reicher, älterer Mann, der vier Ehefrauen hatte.

Seine vierte Ehefrau verwöhnte er am meisten. Er gab ihr das beste Essen, die schönsten Kleider und die feinsten Dinge. Die dritte Ehefrau behandelte er ebenfalls gut, kaufte ihr Geschenke und verbrachte gerne Zeit mit ihr. Die zweite Ehefrau kümmerte sich hauptsächlich um die Kinder und den Haushalt und erledigte die alltäglichen Aufgaben. Die erste Ehefrau, seine ursprüngliche Ehefrau, vernachlässigte er jedoch komplett und schenkte ihr keinerlei Aufmerksamkeit.

Eines Tages wurde der alte Mann schwer krank. Als er merkte, dass er bald sterben würde, bekam er große Angst vor der Einsamkeit im Tod. Er bat seine vierte Ehefrau, ihn zu begleiten. Doch sie weigerte sich und sagte: „Sterben ist furchtbar, das mache ich nicht! Ich habe genug gelitten. Wenn du sterben willst, mach das alleine. Ich bin noch jung.“ Sie verließ ihn daraufhin, und der alte Mann war tief enttäuscht.

Dann wandte er sich an seine dritte Ehefrau und bat sie, mit ihm zu sterben. Aber auch sie lehnte ab und sagte: „Du bist alt und wirst sterben, das ist unvermeidlich. Aber ich bin jung und schön und werde wieder heiraten.“ Auch sie ließ ihn alleine. Der alte Mann war noch trauriger, da die beiden Frauen, die er so gut behandelt hatte, ihn nicht begleiten wollten.

Verzweifelt ging er zu seiner zweiten Ehefrau. Sie sagte: „Ich kann nicht mit dir sterben. Wer würde sich dann um die Kinder und den Haushalt kümmern? Aber ich werde mich um deine Beerdigung kümmern und dich auf deinem letzten Weg begleiten.“ Dies fand der alte Mann einleuchtend, aber es machte ihn noch trauriger, da auch sie ihn letztlich nicht begleiten würde.

Schließlich ging er zu seiner ersten Ehefrau und erzählte ihr von seiner Angst. Zu seiner Überraschung sagte sie: „Ich bin dein ganzes Leben lang an deiner Seite gewesen, und ich werde auch im Tod bei dir sein. Obwohl du mich vernachlässigt hast, bin ich bereit, mit dir zu sterben.“ Der alte Mann war tief gerührt und bereute es sehr, sie im Leben nicht besser behandelt zu haben. Er erkannte, dass sie die einzige war, die ihm wirklich treu geblieben war.

Diese Geschichte ist eine Metapher für das Leben. Die vierte Ehefrau symbolisiert unseren physischen Körper. Wir verbringen unser Leben damit, unseren Körper zu pflegen und ihm das Beste zu geben, aber nach unserem Tod bleibt der Körper zurück und zerfällt. Die dritte Ehefrau steht für unseren Besitz und Reichtum. Egal wie sehr wir ihn schätzen, nach unserem Tod wird er anderen gehören. Die zweite Ehefrau repräsentiert unsere Familie und Freunde. Sie begleiten uns nur bis zu einem bestimmten Punkt, aber letztendlich müssen auch sie uns loslassen. Die erste Ehefrau jedoch steht für unser inneres Selbst, unsere Essenz und unseren Dao.

Wir suchen unser Glück immer bei den äußeren Dingen und erkennen nicht, dass die Ursache fürs Leiden und Glück in uns selbst im Inneren liegt. Machen wir uns von den äußeren Dingen abhängig, dann werden wir notwendigerweise Leid empfinden, da die äußeren Dingen sich ständig verändern und früher oder später nicht uns gehören werden. Indem wir nach innen schauen, erkennen wir die Ursache des Leids und können sie an der Wurzel packen und beenden. Der Weg ermutigt uns, im Einklang mit dem Dao zu leben, unsere innere Welt zu pflegen und unser inneres Licht zu entdecken. Indem wir dem Dao folgen, können wir nicht nur ein erfülltes Leben führen, sondern auch den Tod als Teil des universellen Wandels akzeptieren und in Harmonie mit dem großen Dao des Universums existieren.



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