Anekdote: Ich sitze wenn ich sitze

In unserer modernen Welt ist „Beschäftigtsein“ fast schon ein Statussymbol. Wir checken E-Mails beim Frühstück, planen das nächste Meeting während des Joggens und scrollen durch Social Media, während wir eigentlich schlafen sollten. Wir sind überall, nur selten dort, wo unsere Füße gerade stehen.

Es gibt eine alte Zen-Geschichte, die diesen modernen Wahnsinn mit einer entwaffnenden Schlichtheit spiegelt.

Ein Schüler fragte einmal seinen Meister: „Meister, was ist das Geheimnis deiner Gelassenheit? Du wirkst immer so gesammelt, egal wie viel um dich herum passiert. Was tust du, was wir nicht tun?“

Der Meister lächelte mild und antwortete: „Wenn ich sitze, dann sitze ich. Wenn ich gehe, dann gehe ich. Wenn ich esse, dann esse ich. Und wenn ich schlafe, dann schlafe ich.“

Der Schüler war enttäuscht. „Aber Meister, das tun wir doch auch! Ich sitze hier, ich gehe zum Markt, ich esse meine Suppe.“

Der Meister schüttelte den Kopf. „Nein. Wenn ihr sitzt, dann steht ihr schon innerlich auf. Wenn ihr geht, seid ihr gedanklich schon am Ziel. Wenn ihr esst, plant ihr eure Arbeit. Und wenn ihr schlaft, wälzt ihr eure Sorgen.“



Kategorien:Anekdoten

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