Erfahrungsbericht Retreat 2024 von Pascal Hauser

„“Es war nicht das erste und es wird auch nicht mein letztes Meditationsretreat gewesen sein.”

Ich habe mir soeben meinen Erfahrungsbericht vom letzten Jahr durchgelesen und zwei Punkte haben sich bewahrheitet und können wiederholt werden: Erstens, “Es war nicht das erste und es wird auch nicht mein letztes Meditationsretreat gewesen sein.” Zweitens, dass ich es beibehalten wollte, jedes Mal die gleiche Sitzhaltung einzunehmen. Das war für mich nach einigen Meditationsretreats das erste Mal, dass ich jede einzelne Sitzung genau gleich gesessen bin. Und das hat gut funktioniert. Alleine schon dadurch, dass ich mir nicht jedes Mal überlege, wie ich dieses Mal sitze. Es hat am Ende natürlich trotzdem erstmal geschmerzt, aber ich habe kein einziges Mal die Beine während dem Sitzen hinunter geben müssen, wie es früher öfter der Fall war.

Ich denke, wir haben in den Beratungsstunden und auch nach Ende des Retreats noch nie so viel über die Laufmeditation diskutiert wie dieses Mal. Irgendwas war anders, es wirkte diesmal leider etwas unnatürlicher und erzwungener, als ob einzelne Leute versucht haben, absichtlich einen Rhythmus vorzugeben, statt einfach locker zu laufen und sich auf das Mantra zu fokussieren. Ich habe versucht, das als Übung zu sehen, aber dieses Jahr fiel es mir schwieriger.

Es ist immer wieder interessant, was einem so alles durch den Kopf gehen kann. Ich musste oft an die Geschichte des Meisters denken, von der Grabinschrift mit der Erkenntnis, dass man nicht die Welt verändern kann, sondern bei sich selbst beginnen muss. Ich denke, es ist etwas dran, dass einem die Meditation die eigenen Schwächen aufzeigt, sei es körperlich, mental oder auch emotional. Daran arbeiten muss man dann selber, das kann einem niemand abnehmen.

Ein kleines Beispiel, wie verschieden die gleiche Handlung in unterschiedlichem Kontext sein kann: Nach dem Mittagessen ist jeden Tag Zeit für einen Mittagsschlaf. Üblicherweise läutet genau wie in der Früh einer der Meister eine Glocke, um uns aufzuwecken. Einmal wurde ich allerdings von einem anderen Teilnehmer geweckt, er deutete auf seine Uhr und ich nahm an, dass ich verschlafen und die Glocke einfach überhört hatte, das ist ein paar Jahre davor tatsächlich auch einmal der Fall gewesen. Ich war in dem Moment also dankbar, dass er mich geweckt hatte, stand auf und ging hinunter. Unten sah ich, dass es noch nicht weiterging im Programm und war erstmal erleichtert. Ein paar Minuten später hörte ich dann allerdings die Glocke, sah auf die Uhr und merkte, dass der Meister einfach noch nicht geläutet hatte. Sofort kamen mir Gedanken wie “Warum hat er mich jetzt zu früh aufgeweckt? Warum kümmert er sich nicht einfach um sich selbst und lässt mich in Ruhe? Man soll ja nicht herumschauen und hören und andere beachten” etc… Und die Dankbarkeit hielt sich plötzlich in Grenzen. So schnell kann es gehen.

Auch körperlich kann sich innerhalb eines Tages viel verändern. Am 3. oder 4. Tag ging es mir bis zum Frühstück gut, danach bemerkte ich, dass mein Puls schneller/stärker wirkte, dachte mir aber nicht viel dabei. Am Nachmittag begannen dann Kopfschmerzen, diese wurden immer stärker, bis ich am Abend dem Meister kaum noch zuhören konnte und froh war, als wir endlich schlafen gehen konnten. Aber auch das war nicht angenehm und ich fühlte mich immer schlechter und dachte, ich wäre kurz davor, mich zu übergeben. Irgendwie habe ich doch noch die Kurve gekriegt und es geschafft mich schlafen zu legen, am nächsten Tag war ich wieder wie neu und habe mich so gut erholt gefühlt wie sonst selten nach dem Aufstehen.

Diese Beispiele sollen natürlich kein typisches Retreat darstellen, die meiste Zeit wiederholen sich die gleichen Abläufe ohne besondere Ereignisse. Aber ich finde es selber immer interessant zu erfahren, was andere so erleben während eines Retreats, wo man doch annehmen würde, dass alle die gleiche Erfahrung durchmachen. Ich bin schon auf meinen nächsten Erfahrungsbericht gespannt.

LG,
Pascal



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