——Beitragsreihe: Wie kam der Buddhismus nach China?
——Beitragsreihe: Die Koans zur Geschichte des Zen-Buddhismus
Die einst mächtige Tang-Dynastie geriet durch Rebellionen lokaler Militärführer zunehmend ins Chaos. Im Jahr 907 dankte der letzte Tang-Kaiser nach einem Militärputsch ab. Die nachfolgende Liang-Dynastie war jedoch nicht in der Lage, das Land in Frieden und Einheit zu führen. Lokale Militärmächte erklärten sich für unabhängig und riefen eigene Staaten aus. Es entbrannten ständige Kriege zwischen ihnen. Innerhalb von etwa einem halben Jahrhundert wechselten sich im Norden des Reiches fünf Dynastien ab, während im Süden zehn Staaten sich bildeten. Während der Norden des Reiches von intensiven kriegerischen Auseinandersetzungen geprägt war, konnten die südlichen Länder weitgehend in Frieden leben, was sich positiv auf ihre wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung auswirkte. In dieser Zeit der Unruhe erreichte der Zen- bzw. Chan-Buddhismus seinen Höhepunkt, da sich die meisten seiner Schulen im Süden befanden. Durch den Zerfall des Einheitsreiches entstanden im Süden neue politische Zentren, deren Fürsten die Zen- bzw. Chan-Lehre hochschätzten und enge Beziehungen zu deren Meistern pflegten. Die Fayan-Schule wurde in dieser Zeit gegründet und florierte dank politischer Unterstützung. Doch bevor es zu dieser Blüte kam, müssen wir zunächst bei ihrem Wegbereiter gegen Ende der Tang-Dynastie ansetzen – Xuansha Shibei (835-908), der „Lehrwürdige vom mystischen Sand“. Nennen wir ihn einfach den Lehrwürdigen.
Der Lehrwürdige war ein Sohn der Familie Xie aus dem Kreis Min in der Präfektur Fuzhou (dem heutigen Fuzhou in der Provinz Fujian). In seiner Jugend liebte er das Angeln. Er verbrachte die meiste Zeit am Fischerboot und genoss gesellige Stunden mit den anderen Fischern am Fluss. Als er 30 Jahre alt wurde, ließ er plötzlich das Boot zurück und beschloss, Mönch zu werden. Er begab sich zum Zen-Meister Furong Lingxun, dessen Name wörtlich „die spirituelle Lehre vom Hibiskusberg“ bedeutet, um die volle Ordination zu empfangen. Danach lebte er als strenger Asket: Er trug Strohsandalen und einfache Roben, ernährte sich von wenig Nahrung und verbrachte die Tage in stiller Meditation. Die Menschen waren erstaunt über seine radikale Wandlung.
Der spätere Zen-Meister Xuefeng Yicun (822–908), der „Rechtschaffene vom Schneeberg“, war zu jener Zeit sein älterer Lehrbruder im Kloster und wurde später sein Dharma-Lehrer. Wegen seines asketischen Lebenswandels nannte der Rechtschaffene ihn oft „den Asketen“. Als der Rechtschaffene Dharma-Nachfolger des Deshan Xuanjian (782–865), dem „Erkenntnisspiegel vom Tugendberg“, wurde und seinen Sitz am Schneeberg nahm, folgte der Lehrwürdige ihm und half ihm beim Aufbau der Schule. Zunächst jedoch wollte der Lehrwürdige auf Studienreise gehen, um verschiedene Meister zu besuchen. Als er über die Berge zog, verletzte er sich einmal die Zehe, sodass Blut floss und er große Schmerzen hatte.
Er seufzte und sprach zu sich selbst: „Dieser Körper ist nicht wirklich. Woher kommt also der Schmerz?“
Daraufhin kehrte er zum Rechtschaffenen zurück.
Als der Rechtschaffene ihn erblickte, sagte er: „Ist dies nicht der Asket?“
Der Lehrwürdige antwortete: „Ich wage es nicht, die Menschen zu täuschen.“
Der Rechtschaffene fragte: „Warum zieht der Asket nicht umher, um alle Lehrer zu besuchen?“
Der Lehrwürdige entgegnete: „Bodhidharma kam nicht ins Land des Ostens, und der zweite Ahnlehrer ging nicht ins Land des Westens.“
Der Rechtschaffene stimmte ihm zu.[1]
Seitdem blieb er am Schneeberg und arbeitete eng mit dem Rechtschaffenen am Aufbau der Gemeinschaft zusammen. Schüler aus allen Richtungen strömten herbei. Der Lehrwürdige studierte fleißig und suchte täglich morgens und abends den Rat des Rechtschaffenen. Einmal, beim Studium des Shurangama-Sutra, überkam ihn ein tiefes Verständnis. Dadurch wurde er scharfsinnig und konnte sich mühelos mit den buddhistischen Schriften verbinden. Wenn andere Gelehrte auf ungelöste Fragen stießen, suchten sie stets seinen Rat. Selbst in Diskussionen und Debatten mit dem Rechtschaffenen war er stets souverän. Der Rechtschaffene lobte ihn: „Der Asket ist zweifellos ein wiederkehrender, von großer Weisheit.“
Eines Tages fragte der Rechtschaffene bei der Versammlung: „Wer dieses Prinzip verstehen will, möge es sich wie einen alten Spiegel auf einem Podest vorstellen: Wenn ein Hu (Inder) kommt, erscheint ein Hu; wenn ein Han (Chinese) kommt, erscheint ein Han.“
Der Lehrwürdige trat hervor und sagte: „Was, wenn ein heller Spiegel erscheint?“
Der Rechtschaffene: „Dann verschwinden sowohl Hu als auch Han.“
Der Lehrwürdige: „Ehrwürdiger Meister, eure Füße haben den Boden noch nicht berührt.“
Der Rechtschaffene wies auf das Feuer und sagte: „Die Buddhas der drei Zeiten drehen das große Dharma-Rad mitten in den Flammen.“
Der Lehrwürdige: „In letzter Zeit sind die königlichen Erlasse strenger geworden.“
Der Rechtschaffene: „Was meinst du damit?“
Der Lehrwürdige: „Es ist nicht erlaubt, sich auf unlautere Weise des Geschäfts anderer zu bemächtigen.“[2]
Die Gespräche bleiben rätselhaft. Diese können auch noch außergewöhnlich zugehen:
Eines Tages schloss der Rechtschaffene die Tore der Halle, machte Feuer in der Halle und rief: „Hilfe! Feuer!“
Der Lehrwürdige warf daraufhin ein Stück Holz durch das Fenster in die Halle, woraufhin der Rechtschaffene das Tor öffnete und hinauskam.[3]
Später nahm der Lehrwürdige seinen Sitz am Berg Xuansha in Fuzhou, wörtlich „der mystische Sand“. Daher erhielt er den Namen „Der Lehrwürdige vom mystischen Sand“. Er lehrte unermüdlich, sodass sein Ruf sich schnell verbreitete. Der Fürst vom Staat Min ehrte ihn als Lehrer und schenkte ihm aus Verehrung eine purpurne Robe. Er unterrichtete mehr als 30 Jahre und brachte über 700 Schüler hervor. An erster Stelle zu nennen ist Luohan Guichen (867–928), wörtlich „Das Juwel des Heiligen“, der der Lehrer des Gründers der Fayan-Schule wurde. Im nächsten Beitrag geht es um dieses „Juwel“.
Organigramm zur Genealogie der Gründer der fünf Schulen
„Die drei Welten existieren nur im Geist“ ——Das Koan zum Luohan Guichen (867–928)>>>
[1] 福州閩縣謝氏子。少漁於南臺江上。及壯。忽棄舟。從芙蓉山靈訓禪師斷髮。詣南昌開元通玄律師所。受具足戒。芒鞋布衲。食纔接氣。宴坐終日。眾異之。初兄事雪峰。既而師承之。峰以其苦行。呼為頭陀。(正法眼藏云。初欲徧歷諸方。參尋知識。携囊出嶺。築著脚指。流血痛楚。歎曰。是身非有。痛從何來。遂回雪峯。)一日峰問。阿那個是備頭陀。師曰。終不敢誑於人。異日峰召曰。備頭陀何不徧參去。師曰。達磨不來東土。二祖不往西天。峰然之。暨登象骨山。乃與師同力締搆。玄徒臻萃。師入室咨決。罔替晨昏。又閱楞嚴。發明心地。由是應機敏捷。與修多羅冥契。諸方玄學。有所未決。必從之請益。至與雪峰徵詰。亦當仁不讓。峰曰。備頭陀再來人也。——《指月錄卷之十九 六祖下第七世 福州玄沙師備宗一禪師》
[2] 雪峰上堂曰。要會此事。猶如古鏡當臺。胡來胡現。漢來漢現。師出眾曰。忽遇明鏡來時如何。峰曰。胡漢俱隱。師曰。老和尚脚跟猶未點地在 雪峰指火曰。三世諸佛。在火𦦨裏轉大法輪。師曰。近日王令稍嚴。峰曰。作麼生。師曰。不許攙奪行市。——《指月錄卷之十九 六祖下第七世 福州玄沙師備宗一禪師》
[3] 師一日在僧堂內燒火。閉却前後門。乃叫曰。救火救火。玄沙將一片柴。從牕櫺中拋入。師便開門。—《指月錄卷之十九 六祖下第七世 福州雪峰義存禪師》
Kategorien:Buddhismus, Chan- (Zen-) Buddhismus, Koan/Gong-An

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