Wie all die Dunkelheit von mir abfällt

Ein Zitat aus „Die Herzenslehre der Einheit“, einem Vortrag des Seniorobermeisters Gao Binkai vom 10.08.1999 im Hongtzong-Tao-Institut in Hsinchu (Taiwan), veröffentlicht in den monatlichen Ausgaben der Zeitschrift des Instituts – „Ping Jiang Magazine“ – ab März 2022

Der Vortrag handelt von dem 1. Absatz des Buches „Maß und Mitte“ (中庸 zhongyong) von Konfuzius in Bezug auf die Praxis des Dao. Dieser 1. Absatz lautet:

„Das Mandat des Himmels bezeichnet die wahre Natur. Der wahren Natur gemäß zu handeln heißt Dao. Das Dao zu kultivieren nennt man Lehre.“

Diese drei Prinzipien bedeuten vereinfacht:

  • Erstes Prinzip: Die wahre Natur erkennen
  • Zweites Prinzip: Im Einklang mit dieser Natur handeln
  • Drittes Prinzip: Durch Lehre und Praxis zu dieser Haltung zurückfinden

Mit „Lehre“ ist hier nicht bloß die Vermittlung von Wissen gemeint. Sie bezeichnet einen Weg der Schulung, auf dem Erkenntnis im eigenen Denken, Fühlen und Handeln wirksam wird. In diesem Beitrag spricht der alte Meister in erster Linie über das 3. Prinzip:

Das dritte Prinzip – das Dao zu kultivieren – bedeutet, durch Lehre innerlich verwandelt zu werden und selbst zur Wandlung beizutragen. (Das bedeutet nicht nur, Wissen aufzunehmen, sondern die eigene wahre Natur wiederzuerkennen, sich innerlich zu wandeln und durch das eigene Beispiel auch anderen Orientierung zu geben.) Da wir selbst das nicht verstehen, nicht erkennen und nicht durchschauen, brauchen wir heilsame Weggefährten, die uns inspirieren. Wenn uns plötzlich ein Licht aufgeht und wir sagen: „Ach so! Jetzt verstehe ich, wie meine ursprüngliche Natur eigentlich beschaffen ist. Mir wird klar, dass ich mich viel zu weit von meiner wahren Natur entfernt habe, und ich muss schnellstens zurückkehren!“ Wenn man dies wahrhaftig verinnerlicht, geschieht echte Transformation durch Lehre und Praxis. Erst wenn unsere eigenen starren Anhaftungen aufgelöst werden, können wir andere Wesen berühren und sie dazu inspirieren, sich selbst zu wandeln – ja, zur Wandlung der unzähligen Wesen dieser Welt beizutragen. Das ist die eigentliche Aufgabe des dritten Prinzips.

Das Erste heißt also: „Das Mandat des Himmels bezeichnet die wahre Natur.“
Das Zweite heißt: „Der wahren Natur gemäß zu handeln heißt Dao.“
Das Dritte heißt: „Das Dao zu kultivieren nennt man Lehre.“

Ich hoffe, dass ihr diese drei Prinzipien miteinander verbindet; dann werdet ihr mehr Vertrauen in euch selbst gewinnen und klarer wissen, was ihr tut. Deshalb sollten wir jeden Tag das Erste (die wahre Natur erkennen) und das Zweite (der wahren Natur gemäß handeln) in uns bekräftigen und anderen helfen, damit jeder einzelne zu seiner eigenen Geistes- und Herzensnatur zurückkehren und alle in ihre eigene Mitte zurückfinden kann.

Gelingt uns das wahrhaftig, werden wir immer freudvoller, fühlen uns jünger und gesünder. Mit anderen Worten: Wir spüren selbst, dass wir immer klarer und bewusster werden. Erst dann können wir den Mitmenschen helfen, sie inspirieren und ihnen dort beistehen, wo sie im Unwissen gefangen sind. Es gilt, zu lernen und das Gelernte beständig zu praktizieren, selbst Orientierung zu finden, um dann andere durch Beispiel zu unterstützen. Die eigentliche Wandlung kann jedoch jeder Mensch nur selbst vollziehen.

Obwohl wir von „Lehre und Wandlung“ sprechen, sollten wir wissen, wohin sie führen sollen? Sie darf sich niemals vom ersten und zweiten Prinzip entfernen. Weil wir Menschen nicht frei von karmischen Verflechtungen[1] sind, bedürfen wir der geistigen Schulung, um in unsere Mitte und zu unserer wahren Herzensnatur zurückzukehren – zur Lehre des Herzensgeistes.

Erst dadurch spüren wir den tiefen Nutzen und ernten wunderbare Früchte. Du wirst spüren: Je mehr ich das Dao kultiviere, desto klarer werde ich. Was mich selbst betrifft, fühle ich, wie all die Dunkelheit von mir abfällt, all das Streitige und das Sich-Verrennen. Diese erscheinen mir mit der Zeit als derart unwichtig, dass ich mich frage: Warum sollte ich meine Zeit mit diesen Dingen vergeuden und mich von ihnen aufhalten lassen? Wenn ich mein klares, transparentes Herz beständig nach außen strahlen lasse, bin ich selbst voller Freude und erfreue auch andere. Das bedeutet, das Dao wahrhaftig zu erkunden.

—— Aus: „Die Herzenslehre der Einheit“, Zeitschrift „Ping Jiang Magazine“, Ausgabe 199, November 2022, Seite 1-3


[1] Innere Konditionierungen, die unbewusst unser Denken und Verhalten beeinflussen und prägen


Originaler Text auf Chinesisch:

第三個,是什麼呢?教而化之。因為我們自己對這個看不懂,不認識,不了解,要經過善知識替我們開導,給我們啟發,給我們很多的,譬如,哎呀!我懂了,我明白了,我明白了我的本心應該是什麼樣子,我明白我現在是離開我的本心太遠了,我應該要趕快的回歸,你真能這樣的話,這才是教而化之,而我這些頑固的執著能感化掉,才能感化這個眾生,也才能感化芸芸眾生,這個就是我們第三個要做的。

所以第一個也就是天命之謂性,第二個就是率性之謂道,第三個就是修道之謂教。希望各位把它貫通起來,你或許會更肯定自己,更知道我在做什麼。所以我們天天要把我們第一個和第二個來肯定,來去幫助別人,幫助別人,使每一個人都能回歸到心地。第二個都能回歸到自己的中,要真能這樣的話,你是愈來愈快樂,愈來愈年輕,愈來愈健康,也換句話說,你自己愈來愈感覺到自己懂了,明白了,我們拿這個才能去幫助眾生,啟發眾生,協助他們迷惑的地方,這是要我們去做的,要教而化之,學而習之,要去行這些個。

所以大家不要因為我們講的都是教,雖然是教化,往那兒教化呢?不能離開第一個、第二個,因為第一、第二不能達得到,因為我們人有色身都離不開業障,那麼就需要教化,而歸回來那個中,歸回來那個心地,心地的法門,那這樣子我們才感覺得到,我們會得到很大的受益,你會得到很好的成果,你才感覺到我修道愈修愈明白了,我愈修,就我自己來說,才感覺到我這些個黑暗都離我而去,那些個是非,鑽牛角尖,我現在就感覺到,唉呀,我沒有那個時間去管那些個,我把我自己,常常教那些個明白剔透的心展現在外邊,我也快樂,也令人高興,這才叫做學道。

——《厚德心語 一貫心法 萍江竹刊 第199期 2022年11月 第一至三頁》

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