Wo genau befindet sich eigentlich unsere himmlische Bestimmung?

Junger grüner Keimling wächst aus dunkler Erde im Sonnenlicht.

Ein Zitat aus „Die Herzenslehre der Einheit“, einem Vortrag des Seniorobermeisters Gao Binkai vom 10.08.1999 im Hongtzong-Tao-Institut in Hsinchu (Taiwan), veröffentlicht in den monatlichen Ausgaben der Zeitschrift des Instituts – „Ping Jiang Magazine“ – ab März 2022

Wo genau befindet sich eigentlich unsere himmlische Bestimmung? Warum können wir sie weder sehen noch mit Händen greifen? Wir hören diese Worte, doch was bedeuten sie wirklich für uns??

Wir müssen erkennen, dass dieser vergängliche, fleischliche Körper an sich ein lebloses Ding ist. Und doch wird er Tag für Tag von jenem Lebendigen getragen, das man mit Augen nicht sieht – es trägt ihn an alle Orte, lässt ihn nach allen Himmelsrichtungen eilen, lenkt den Roller, steuert das Auto. Dieses Lebendige trägt das Leblose durch die Welt. Und was geschieht mit diesem Lebendigen? Es wird vom Leblosen vergraben, verborgen unter dem Körper. Wenn du dieses Lebendige in dir nicht entdeckst und nicht begreifst, weißt du tagein, tagaus nicht einmal, worin deine eigentliche Praxis überhaupt besteht. Daher sollten wir verstehen: Generation um Generation von Heiligen und Weisen kamen einzig in die Welt, um dieses Unsichtbare zum Vorschein zu bringen und zu entfalten.

Weil der Mensch dieses Lebendige nicht erkennt, kreist sein Sinn Tag für Tag nur um die Sorgen des Alltags, um familiäres Behagen, um irdischen Besitz, um das berufliche Fortkommen und das persönliche Vergnügen. Genau das macht unser heutiges Dasein aus: Wir haben vergessen, dass wir eins mit Himmel und Erde sind – von Ursprung her bilden wir eine Einheit mit dem gesamten Kosmos. Wie konnten wir nur so tief absinken, dass wir uns ganz in diesen Nichtigkeiten verlieren und das wahrhaft Große überhaupt nicht mehr ahnen oder begreifen?

Eben weil der Mensch dies nicht versteht, hat die Himmlische Mutter[1] eigens den Ahnlehrer Maitreya[2] und unseren Erhabenen Lehrer[3], den Lebendigen Buddha Ji Gong[4], in die Welt gerufen, um uns diesen Weg von Neuem zu übermitteln. Verliere dich doch nicht unablässig in den kleinsten Dingen, sodass du keinen Ausweg mehr findest! Halte dies nicht für das eigentliche Leben – das sind bloß Begleiterscheinungen. Erkenne das wahrhaft Große! Erkenne dein wahres Selbst, finde den wahren Herrn deines Wesens – erst dann ist dein Dasein auf Erden nicht vergebens gewesen.

Nun wissen wir zwar um das Dao, doch oft können wir es noch nicht recht erfassen und messen ihm noch nicht die gebührende Bedeutung bei. Warum sprechen wir all dies also an? Wozu dient es? Um jenes lebendige Wesen in uns wachzurufen. Du musst es erkennen! Nur dieses Wahre vermag alles zu wirken und alle Trübungen in dir zu klären. Erst so hat dein Gang durch die Welt einen wirklichen Sinn. Erkennst du dieses Lebendige nicht, weißt du gar nicht, für wen du eigentlich lebst – du weißt nicht, wozu du tagtäglich deine Arbeitszeit abstempelst, isst und schläfst, und ahnst nicht, dass es darum geht, dieses innere Licht erstrahlen zu lassen und zu mehren.

Bedenke daher: Wir alle wurden mit einem Auftrag in diese Welt gezogen. In jeder Kultivierungsstätte, in jedem Tempel gilt es, unserer Bestimmung treu zu dienen, die Würde und Erhabenheit des Tao zu bezeugen und diese Herzenslehre aufrichtig zu praktizieren, damit sie in unserem Alltag unmittelbar wirksam wird. Wenn dir das wahrhaft gelingt, wirst du zu einem vorbildlichen Menschen des Weges.

Menzius sagte einst: „Pflegst du es achtsam, so bleibt es gegenwärtig; lässt du es schleifen, so verflüchtigt es sich.“[5]

Ob du es tust oder nicht, liegt ganz bei dir. Wenn du dieses Wahre täglich pflegst, stets achtsam darauf blickst und es behütest, bleibt es gegenwärtig. Kümmerst du dich hingegen nicht darum, vergeht ein Tag nach dem anderen im Nichts. Du eilst durch die Welt, ohne zu wissen, wohin dein Geist entwichen ist. Warum betonte Menzius diesen Grundsatz?

Er mahnte: Wenn du nicht täglich dein Herz darauf richtest und die Tage ungenutzt verstreichen lässt, bleibt dir am Ende gar nichts. Wendest du jedoch ein wenig Achtsamkeit auf und behütest dieses Innere, wirst du dich Schritt für Schritt wandeln und von innen heraus eine tiefere Schönheit entfalten: Ruht der himmlische Herr – das ursprüngliche Herz – in stiller Klarheit und Souveränität, folgen alle Sinne und Kräfte harmonisch seiner Führung. So wird es geschehen, ganz gewiss. Das ist der Weg der Weisen und Heiligen – dies gilt es wahrhaft zu begreifen!

—— Aus: „Die Herzenslehre der Einheit“, Zeitschrift „Ping Jiang Magazine“, Ausgabe 201, März 2023, Seite 1-3


[1] Im Zuge der Vereinigung der drei Schulen in China die Bezeichnung „Die ungeborene (unerschaffene) himmlische Mutter“ (无生老母), die als die personifizierte Darstellung des Begriffes Dao oder Wuji verehrt wird. Im Stillen ist sie leer ohne Ton und Form, ohne Entstehen und Vergehen. Im Aktiven entfaltet sich aus ihr alle Wesen. Diese ist daher Leere und Form zugleich und ist daher nicht ein externes, individuelles Wesen, sondern die Einheit oder Gesamtheit, Sie die inhärente Natur aller Wesen.

[2] Ahnlehrer Maitreya (彌勒祖師): Der Name Maitreya stammt aus dem Sanskrit (Maitrī) und bedeutet „der Gütige“ oder „die liebende Güte“. Im Westen ist er oft fälschlich nur als fröhlicher „Glücksbuddha“ bekannt; seine traditionelle Darstellung birgt jedoch eine tiefe geistige Symbolik: Sein offenes Lächeln steht für unerschütterlichen Lebensmut, heitere Gelassenheit und die Überwindung allen Leidens durch Nicht-Anhaften. Sein weiter Bauch versinnbildlicht ein grenzenlos weites Herz, das fähig ist, menschliche Schwächen mit Großmut, Geduld und Vergebung zu umfangen. Im Weg der Einheit gilt er als spiritueller Wegbereiter für ein friedvolles, von Harmonie und Mitgefühl getragenes Zeitalter, in dem alle Menschen ihr ursprüngliches, gutes Wesen wiedererkennen.

[3] Erhabener Lehrer (師尊): Im Weg der Einheit eine von tiefem Respekt getragene Anrede für Zhang Tianran (1889–1947), den 18. Ahnlehrer der Traditionslinie. Für Suchende im Westen lässt sich seine Rolle am ehesten mit der eines großen spirituellen Reformers und Mentors vergleichen: Er widmete sein Leben der Aufgabe, die ursprüngliche Essenz der drei Weisheitslehren (Daoismus, Buddhismus, Konfuzianismus) aus klösterlicher Abgeschiedenheit zu befreien und als praktische Lebensführung für jedermann mitten im alltäglichen Familien- und Berufsleben erfahrbar zu machen. Im Weg der Einheit wird er als menschliche Inkarnation des Lebendigen Buddha Ji Gong verehrt.

[4] Lebendiger Buddha Ji Gong (濟公活佛): Eine der beliebtesten und lebendigsten Gestalten der asiatischen Geistesgeschichte (historisch Meister Daoji, 1130–1209). Der Beiname „Lebendiger Buddha“ drückt im asiatischen Sprachraum aus, dass sein ganzes Handeln von ungetrübter Weisheit und unbedingtem Mitgefühl durchdrungen war – er lebte das Erwachen leibhaftig vor, anstatt nur darüber zu predigen. Berühmt für seine Unkonventionalität, sein heiteres Wesen und sein grenzenloses Erbarmen („Der All-Helfende“), brach er starre religiöse Dogmen auf, um Menschen in seelischer oder materieller Not unmittelbar beizustehen. Im Weg der Einheit verkörpert er den spirituellen Lehrmeister, der Suchern hilft, über oberflächliche Konventionen hinauszublicken und das unsterbliche, freie und mitfühlende Herz in sich selbst zu verwirklichen.

[5] Mencius oder Mengzi 孟子, konfuzianischer Klassiker, Buch VI, der Satz bezieht sich ursprünglich auf das angeborene, gute Herz (Originalgeist), das wie ein zarter Spross durch ständige Achtsamkeit bewahrt werden muss, da es sonst im Getriebe weltlicher Zerstreuung verloren geht.


Chinesischer Originaltext:

我們對上天,可能會感覺到天命究竟在哪個地方?我們怎麼看不到?我們怎麼摸不到?說是這麼說,真的嗎?

大家要知道這個假體色身是死的東西,可是天天被活的看不到的揹著走,揹著到各個地方去,東南西北奔走,騎機車,開車,都是他,這個活的揹著死的走,活著的怎麼樣了呢?他被死的埋起來了,埋在身上,你要不發現他,你要不明白他,你就自己一天也不知道自己在修什麼東西,所以我們要知道,一代一代的聖賢,都是來發揚這個東西,發揚這個看不到的。就是人不認識這個,所以才每一天就只知道柴米油鹽醬醋茶,就只知道夫妻恩愛和身邊的財產,就知道我的事業,我的享受,這個就是現在的我們,而不知道跟天地一體,你本來就是跟天地一體的,怎麼會墜落到就光知道這些小事,而大事不知道、不了解,正因為人不了解,所以老母刻意差彌勒祖師、濟公活佛老師再來傳授給我們,你不要天天都在小的裏邊鑽哦!鑽不出來呀!你不要認為這個是人生呀!這不是人生呀!這是附帶的,附帶的,要真正的認識大呀!要認識真正的我呀!要認識真正的主人,你才不白來世上一遭。

那我們現在知道,我們現在雖然明白道,可是我們還是把握不住,還沒把他看得那麼重要,沒有把他看得那麼重要,所以我們說把這個講出來做什麼?有什麼用?要呼喚屬於我們自己那個活的,你要認識他哦!他才能做一切事,他才能幫你澄清一切,是這樣子的,來到世上才不白來。要不認識這個活的,天天不知道你為誰而活,也不知道一天打卡上班、吃飯、睡覺,到底為什麼?還不知道要把這個東西光明,不知道要把這個東西光大。

所以你想想看,我們降生在人世上,所以我們都有使命,要好好的在每一個道場、每一個佛堂當中去好好的發揚自己的使命,發揚道的尊貴,好好的修這個心法,能夠在我們的生活裏頭都能起作用,要真能這樣的話,你就會成為一個很好的修道人。

孟子有一句話,「操之則存,捨之則亡。」你做不做由你,你要天天操持他,天天注意他,天天守護他,他就存在。你要是不管他,那麼一天過了又一天,這就什麼也沒有了。你各個地方跑,不知道他跑那兒去了,操之則存,捨之則亡,他就不見了。操之則存,捨之則亡,孟子講這個幹什麼呢?他說呀,你要是一天不用一點心,一天空過一天的話,這樣你就是什麼都沒有,你要能護持他,用一點心,你就會一步一步的改變,一步一步的美在其中,天君泰然,百體從令,真是會這樣子,一定是這樣子,所以這才是聖賢之道,要明白哦!

——《厚德心語 一貫心法 萍江竹刊 第201期 2023年3月 第一至三頁》

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