Nagarjunas Abhandlung der vollkommenen Weisheit: über das Bodhisattvagelübde

Beitragsreihe: Wie kam der Buddhismus nach China?

Kap. 1: Die Anfänge der chinesischen Philosophien und Religionen

Teil 1: Konzi (Konfuzius) und der Konfuzianismus

Teil 2: Laozi (Laotse) und der Daoismus

Teil 3: Mengzi (Mencius) im „Streit der Hundert Schulen“

Teil 4: Zhuangzi, der Wahrhaftige vom Südlichen Blütenland

Teil 5: Das Wechselspiel zwischen Legalismus, Konfuzianismus und Daoismus

Teil 6: Die Etablierung des monarchistischen Konfuzianismus als Staatsideologie ab der 2. Jh. v. Chr.

Teil 7: Huainanzi, das Lebenselixier und die „Unsterblichkeit“

Teil 8: Die Anfänge des Buddhismus in China

Teil 9: Mouzi, der erste chinesische Buddhist?

Kap. 2: Die Durchsetzung des Buddhismus in der Wei- und Jin-Zeit (220-420 n. Chr.)

Teil 1: Die Entwicklung des religiösen Daoismus und der daoistischen Elixierschule

Teil 2: Die Einführung der buddhistischen Mönchsregeln in China

Teil 3: Der Streit zwischen den Daoisten, Buddhisten und Konfuzianern

Teil 4: Die Qingtan-Strömung und die Lehre des Mystischen

Teil 5: Wang Bi über das Sein und das Nichts von Laozi

Teil 6: Guo Xiang über Zhuangzi und sein „Flötenspiel des Himmels

Teil 7: Guo Xiang über das Nichts, das Mystische und den Tod

Teil 8: Huiyuans Abhandlung über das Nichterlöschen des Geistes

Teil 9: Huiyuans Abhandlung über die Vergeltung des Karma und die drei Vergeltungszeiten

Teil 10: Huiyuans Gelübde zur Wiedergeburt im „Paradies des Westens“

Teil 11: Dao An und sein Aufstieg in den Tusita-Himmel

Teil 12: Die altchinesische und daoistische Vorstellung über den Tod 

Teil 13: Die daoistische Praxis zur Unsterblichkeit und zum Göttlichen

Teil 14: Die daoistische Vorstellung vom Jenseits und Reinkarnationskreislauf

Teil 15: „Kein Leben und Kein Tod“: Die Überwindung des Todes im philosophischen Daoismus

Teil 16: Die nicht ausgebrannte Zunge“: Kumarajivas Bedeutung für den chinesischen Buddhismus 

Teil 17: Nagarjunas Lehre der mittleren Betrachtung und Pingalas Kommentar

Teil 18: Sengzhaos Abhandlung zur Shunyata (Leerheit)

Teil 19: Das Lotussutra und die drei Fahrzeuge der Buddhalehre

Teil 20: Nagarjunas Abhandlung der vollkommenen Weisheit: Über die Prajna Paramita Sutren

Teil 21: Nagarjunas Abhandlung der vollkommenen Weisheit: Über die vollkommene Weisheit, die absolute Sicht und Wahrheit

Teil 22: Nagarjunas Abhandlung der vollkommenen Weisheit: über das Bodhisattvagelübde

Neben der Sicht der mittleren Betrachtung ist das Bodhisattvagelübde ein weiteres wesentliches Merkmal des Bodhisattvaweges. Es geht somit weiterhin um den Unterschied zwischen einem Bodhisattva, Sravaka (Hörer) und Pratyekabuddha (Einzelerwachter).

Sravakas stellen die vier Gruppen der Hörer dar, welche zu Lebzeit Buddha Gautamas von ihm persönlich gelehrt wurden: Bhikkhu (Mönche), Bhikkhuni (Nonnen), Upasaka (männliche Laienschüler) und Upasika (weibliche Laienschüler). In der Abhandlung wird gesagt, die Hörer sind auf dem Weg, alle Fesseln zu beenden und die Frucht des Arhats zu erlangen. Da aber ihre Weisheit nicht ausreichend ist, lehrte Buddha ihnen nicht den Bodhisattvaweg. Im weiteren Verlauf wird aber gesagt, dass die Bodhisattvas sich ebenfalls unter den vier Gruppen befunden haben. In den Lehrreden, welche an die Hörer gerichtet waren, wird anfangs nicht erwähnt, dass bei den Versammlungen Bodhisattvas anwesend waren, sondern pauschal nur „Bhikkhus“.

Pratyekabuddhas erlangen ebenfalls die Frucht des Arhats, allerdings ohne die Lehre  eines Buddhas zum Erwachen zu benötigen. In der Abhandlung wird gesagt, dass Einzelerwachte aufgrund ihres Wirkens in früheren Leben tiefe Weisheit aufweisen und die Bedingung zur Reife der Frucht eines Arhats innehaben. Daher erlangen sie die Arhatschaft, ohne die Lehre Buddhas gehört zu haben. Sie werden als „allein erwacht 独觉du jue“ oder „aufgrund der Bedingung erwacht 缘觉 yuan jue“ bezeichnet. Zur Unterscheidung von denjenigen, die aufgrund der Hörerschaft erwachen, werden sie eben Einzelerwachte genannt. Es heißt aber, dass ihre Weisheit tiefer oder weitreichender als jene der Hörer, aber dennoch jener der Bodhisattvas unterlegen ist.

Im Generellen geht es daher um den Unterschied zwischen dem Bodhisattvaweg und Arhatweg. Im folgenden Zitat wird dieser Unterschied so dargestellt:

Die Arhats haben weniger Weisheit, [ihre Frucht] ist aber reif. Die Bodhisattvas haben mehr Weisheit, ihre Geistestrübungen aber sind nicht beendet.[1]

Die Geistestrübungen sind Fesselungen im Geiste, welche Leiden verursachen. Die Arhatschaft ist aus Sicht der Mahayana Schule die Frucht der Hörerschaft. Diese haben all ihre Fesselungen beendet, die Bodhisattvas aber nicht. Im Text wird auch erwähnt, dass Bodhisattvas deswegen als „weniger wertvoll“ betrachtet werden. Es klingt so, als könnten die Arhats die Bodhisattvas womöglich als „unreif“ angesehen haben. Im weiteren Verlauf wird wiederum gesagt, dass die Bodhisattvas ihre Wurzel (Ursache) zur Geistestrübung sehr wohl schon entfernt haben, dennoch haben sie sich nicht restlos von den Geistestrübungen befreit. Es wird auch von Bodhisattvas verschiedener Entwicklungsstufen gesprochen. Der Grund, dass sie ihre Fesselungen nicht rasch beenden wollen, liegt in ihrem Beweggrund zur Praxis:

Die Weisheit der Bodhisattvas gleicht jener der Sravakas. Letztere sind aber ohne geschickte Mittel, ohne großen Eid, ohne große Güte und großes Mitgefühl, suchen nicht alle Buddhalehren, bemühen sich nicht um alle Arten von Weisheit und das Wissen um alle Phänomene, verabscheuen aber Alter, Krankheit und Tod, durchtrennen alle Bande der Lust und wenden sich direkt dem Nirvana zu. Dies ist der Unterschied.“[2]

Generell wird gesagt, dass Arhats den schnelleren Weg zum Nirvana gehen, ohne den Wunsch anderen zu helfen. Hingegen entwickelt sich der Bodhisattva über 10 Entwicklungsstufen zur Buddhaschaft. Es heißt, ein Bodhisattva befreit sich in der 9. Stufe von allen Geistestrübungen rückstandlos. Mit der 10. Stufe ist das Buddhatum vervollkommnet. Als Unterschied zu den Arhats hat der Bodhisattva auch alle durch Gewohnheiten geprägte Wesenszüge 习性 xi xing restlos beseitigt:

Die Arhats und Einzelerwachten können die Geistestrübungen beenden, aber nicht die Gewohnheiten. Die Bodhisattvas beenden restlos alle Trübungen und Gewohnheiten.[3]

Warum die Weisheit der Bodhisattvas den Hörern und Einzelerwachten überlegen ist, wird unter anderem so erklärt:

Erstens, sie begreifen die Leerheit aller Phänomene und sehen diese zugleich nicht als Leerheit. Leerheit und Nicht-Leerheit sind gleich und nicht unterschiedlich.

Zweitens, sie wünschen sich mit dieser Weisheit alle Wesen zu befreien, sodass sie alle das Nirvana erreichen. Die Weisheit der Hörer und Einzelerwachten betrachtet zwar die Leerheit aller Phänomene, kann aber das weltliche Dasein und das Nirvana nicht als eins sehen.[4]

Ersteres betrifft die Sichtweise der mittleren Betrachtung, Zweiteres das Mitgefühl und den Wunsch alle Wesen zu befreien. Der Unterschied liegt des Weiteren auch im finalen Ziel der Praxis:

Die Hörer, Einzelerwachten oder jene, die nach Wiedergeburt in den Himmelswelten oder nach Glück für sich selbst streben, diese vier Arten von Menschen fallen nicht unter die Bodhisattvas. Wieso denn? Weil sie nicht den Willen entfalten: „Ich werde ein Buddha sein“. [5]

Der Bodhisattva wünscht sich alle Weisheiten und Fähigkeiten eines Buddhas zu erlangen, um alle Wesen zur Befreiung zu verhelfen. Der Pfad ist immens lang. Buddha Gautama sollte drei Asamkhya-Äonen lang diesen Weg praktiziert haben:

Im ersten Asamkhya-Äon war ich mir im Geiste noch nicht im Klaren, ob ich ein Buddha werde oder nicht; im zweiten Asamkhya-Äon war ich mir im Geiste zwar klar, dass ich ein Buddha werde, aber mein Mund konnte dies noch nicht aussprechen; im dritten Asamkhya-Äon war ich im Geiste ganz klar, dass ich ein Buddha werde, und habe es auch ohne Furcht ausgesprochen: „Ich werde im künftigen Leben ein Buddha sein.“[6]

Ein Asamkhya-Äon ist eine altindische Zeiteinheit, welche weit über Billionen an Jahren hinaus gehen soll. Im alten Indien wurde nicht viel Wert auf Genauigkeit solcher Zeitangaben gelegt bzw. ihre Zeitvorstellung dürfte ganz anders gewesen sein. Uns geht es hier in erster Linie um die Bedeutung und das Merkmal eines Bodhisattvas. Wesentliche Merkmale sind daher sein Wunsch und die Gewissheit, Buddha zu werden. Auf die Frage, wie ein Bodhisattva, der sich noch nicht von allen Trübungen befreit hat, die wahre Sicht erlangen kann, wird folgendermaßen geantwortet:

Es ist wie Menschen, die ins Meer eintauchen: Manche tauchen gerade unter, andere erreichen schon den Meeresboden. Die Tiefen unterscheiden sich, aber sie alle werden als „eingetaucht“ bezeichnet. Dasselbe gilt für Buddhas und Bodhisattvas: Buddhas haben den Boden schon erreicht, Bodhisattvas haben, da sie noch nicht alle Trübungen beendet und Gewohnheiten abgelegt haben, wenig Kraft und können nicht tiefer eindringen.

Ein weiteres Gleichnis sagt: Es ist wie jemand, der in einem dunklen Raum eine Lampe anzündet. Dadurch werden alle Gegenstände beleuchtet und klargesehen. Dann zündet man eine noch größere Lampe an, und man sieht die Dinge noch klarer. Wisset daher, es gab noch Dunkelheit mit der vorherigen Lampe, welche jetzt durch die größere aufgehellt wurde. Obwohl es so ist, hat die vorherige Lampe dennoch Objekte beleuchten können. Wenn es keine Dunkelheit mit der vorherigen Lampe gegeben hätte, würde die spätere Lampe keine Verstärkung bringen. Dasselbe gilt für die Weisheit aller Buddhas und Bodhisattvas: Obwohl die Weisheit der Bodhisattvas noch mit Trübungen verbunden ist, kann sie dennoch die wahre Form aller Phänomene erkunden, wie die vorherige Lampe, welche Objekte erhellen kann; die Weisheit der Buddhas hat alle Trübungen und Gewohnheiten beendet, und kann auch die wahre Form aller Phänomene erkunden, wie die spätere Lampe, welche die Objekte vielfach stärker erhellen kann.[7]

In diesem Sinn wird Bodhisattva wie folgt definiert:

Bodhi nennt man den Weg der Buddhas, als Sattva bezeichnet man alle Wesen oder den großen Geist. Solch jemand wünscht sich alle Verdienste und Tugenden des Buddhaweges zu erlangen, und sein Geist ist unzerbrechlich und unzerstörbar wie ein Diamantberg, daher nennt man ihn den großen Geist.[8]

Die Eigenschaften eines solchen großen Geistes werden so beschrieben:

Der Bodhisattva wünscht sich selbst und anderen zu nützen und alle Wesen ans Ufer zu bringen. Er kennt die wahre Natur aller Phänomene, praktiziert den Pfad zum höchst vollkommenen Erwachen und wird deshalb von allen Heiligen und Weisen gelobt. Daher nennt man ihn Bodhisattva. Warum? Unter allen Lehren steht die Lehre des Buddhaweges an erster Stelle. Jemand, der diese Lehre ergreifen möchte, wird von den Heiligen und Weisen gelobt. Des Weiteren sucht dieser deswegen den Buddhaweg, weil er alle Wesen von Geburt, Alter und Tod befreien will. Deshalb nennt man ihn Bodhisattva.[9]

Auf diesem Wunsch basierend legen Bodhisattvas Gelübde ab. Es gibt unterschiedliche Gelübde mit unterschiedlichen Inhalten bei unterschiedlichen Bodhisattvas. Diese richten sich nach dem Zustand, welcher der jeweilige Bodhisattva als wunderbar empfindet und daher dieser für alle Wesen wünscht. Diese sind z. B. „Wenn ich Buddha werde, möge es in meiner Welt frei von allen Leiden sein und das dreifache Übel (Gier, Hass, Unwissen) gar nicht geben.“ [10] oder „Wenn ich Buddha werde, möge alle Wesen in meiner Welt weise sein und die zehn guten Handlungen kultivieren“ [11] usw. Was hier mit Welt gemeint ist, ist der Bereich oder das Feld, wo der jeweilige Buddha seine Wirkung ausüben wird. Das sind die sogenannten Buddhafelder oder -welten. So lautet zum Beispiel ein Gelübde von großen Bodhisattvas, welche alle Wesen zum Nirvana verhelfen wollen:

„[…] zur vollständigen Lehre und Transformation aller Wesen der zehn Himmelsrichtungen, zur vollständigen Opferung von Gaben an alle Buddhafelder der zehn Himmelsrichtungen, geloben [sie] alle Buddhafelder der zehn Himmelsrichtungen reinzuhalten, im Geiste alle Buddhalehren der zehn Himmelsrichtungen zu kultivieren. Um alle Buddhafelder und Buddhaschüler zu kennen, um die Herzen und die Grundlagen aller Wesen zu kennen und um zu wissen, wie ihre Trübungen im Geiste ausgelöscht werden können, geloben alle Bodhisattvas das höchst vollkommene Erwachen zu erreichen.“[12]

Solcher Wille eines Bodhisattvas wird in der Abhandlung als den Geist zum höchst vollkommenen Erwachen (anuttara samyak sambodhi bodhicitta 阿耨多羅三藐三菩提心) bezeichnet, oder abgekürzt einfach „Bodhicitta“, der Geist zum Erwachen. Da dieser Geist aus dem Wunsch, allen Wesen zur Befreiung zu verhelfen, hervorgeht, ist Bodhicitta immer mit Güte und Mitgefühl verbunden. Da im buddhistischen Sinn alle Errungenschaften immer mit dem Willen oder mit der Tatabsicht im Geist beginnen, ist Bodhicitta der Beginn und der Schlüssel dazu, Buddha zu werden. Warum aber ein Gelübde dazu notwendig ist, wird so erklärt:

Frage: Alle Bodhisattvas sind rein in ihren Taten und erhalten reine Vergeltungen, warum müssen sie Gelübde ablegen, um Vergeltungen zu erhalten? Wie ein Bauer seine Ernte erntet, dafür braucht er doch kein Gelübde?

Antwort: Verdienst ist ohne Gelübde ohne Orientierung (und daher weniger wirksam). Das Gelübde ist der Wegweiser, der zum Ziel führt.[13]

Im weiteren Verlauf wird gesagt, dass die Kraft der Gedanken die Früchte der Vergeltung vielfach verstärkt, sodass mit wenig Verdiensten große Früchte erlangt werden kann. Insbesondere wird darauf hingewiesen, dass das Vorhaben der Bodhisattvas, Buddha zu werden und Buddhafelder zu realisieren, immens schwierig ist und daher durch die Kraft der Gelübde unterstützt werden muss:

Die Etablierung der Buddhafelder ist eine große Sache. Die Verdienste der Taten allein können diese nicht verwirklichen. Deshalb ist die Kraft der Gelübde notwendig. So hat ein Ochse die Kraft, einen Karren zu ziehen, aber es wird ein Fahrer benötigt, um das Ziel zu erreichen. Dasselbe gilt für Bestrebungen, die sich auf die reinen Felder beziehen: der Verdienst ist wie der Ochse, das Gelübde ist der Treiber.[14]

Zweifel auf diese Aussage kommen hoch:

Frage: Würde man keine guten Früchte erlangen, wenn man kein Gelübde leistet?

Antwort: Doch, man erlangt sie, aber noch besser ist es mit Gelübde. Die Gelübde fördern die Verdienste. Denkt man oft daran, steigert es die Verdienste.[15]

Wenn die Gedanken und Willensäußerungen tatsächlich so starke Wirkungen haben, dann dürfte man keine schlechten Vergeltungen bekommen, da niemand sich diese wünschen würde. Darum geht es bei der nächsten Frage:

Frage: Wenn Wünsche Vergeltungen erwirken können, müssten Menschen, die die zehn Verfehlungen begehen, aber die Hölle nicht als Vergeltung wünschen, der Hölle entkommen können?

Antwort: Obwohl Verfehlungen und Verdienste bestimmt vergolten werden, können diejenigen, die Gelübde äußern, mit kleiner Handlung große Vergeltung erlangen. Es ist so wie vorhin gesagt, die Wesen wünschen sich alle nur glückliche, aber keine leidhafte Vergeltungen, deshalb will niemand in die Hölle. Genau aus diesem Grund, sind die glücklichen Vergeltungen unermesslich, aber die Vergeltung in der Hölle begrenzt. Man sagt, die schlimmste Vergeltung ist die Höllenwelt der ununterbrochenen Leiden (avici nakara 阿鼻地獄) und hat die Dauer von einem Äon, und die größte glückliche Vergeltung ist die Himmelswelt der Weder-Wahrnehmung-noch-Nichtwahrnehmung (Naiva-samjna-nasamjna-yatana 非想非非想天) und hat eine Dauer von 80000 Äonen. Die Gelübde der Bodhisattvas zur Verwirklung der reinen Felder ermöglicht den Eintritt ins Nirvana für unermessliche Äonen. Dies ist das beständige Glück.[16]

Tatabsicht und Taten sollen daher aufeinander abgestimmt sein und einander fördern, wobei die Tatabsicht der Ausgangspunkt und den richtungsweisenden Faktor darstellt. Das entspricht dem buddhistischen Konzept, dass die Ursache oder die Bedingung für alle Vergeltungen im Geiste gestaltet wird. In diesem Sinn wird das Mitgefühl als die stärkste und die größte Tatabsicht oder Willensregung gesehen. Die Gelübde der Bodhisattvas, welche dem Mitgefühl entspringen, sind daher die stärksten Verdienste:

Mitgefühl ist die Grundlage des Buddhismus. Warum? Wenn der Bodhisattva sieht, wie die Wesen das Leiden des Alters, der Krankheit und des Todes, das Leiden von Körper und Geist, das Leiden gegenwärtiger und zukünftiger Leben und andere Leiden erleiden, entwickelt der Bodhisattva große Güte und großes Mitgefühl und macht sich daran, sie von diesen Leiden zu befreien. Dann wünscht er sich von ganzem Herzen, das höchst vollkommene Erwachen zu erlangen. Wegen der Kraft des großen Mitgefühls wird er bei all den Reinkarnationen unermesslicher Äonen nie müde. Wegen der Kraft des großen Mitgefühls, tritt er nicht ins Nirvana ein, auch wenn er schon lange dies tun könnte. Aus diesem Grund ist das Mitgefühl in allen buddhistischen Lehren das Größte. Wenn es nicht die große Güte und das große Mitgefühl gäbe, wäre er schon früh ins Nirvana eingetreten.[17]

Die Gelübde sind jedoch nur Willensäußerungen, darauf sollen Taten folgen. Wie praktiziert denn ein Bodhisattva? Diese Praxis heißt Paramita, was etwa die Fähre, die zum Ufer führt, bedeutet. Von daher kommt auch der Name Prajna Paramita, wörtlich also die Furt oder die Fähre der Weisheit, sinngemäß die vollkommene Weisheit:

Der Bodhisattva legt aus Mitgefühl mit den Mitwesen zuerst das Gelübde ab und gelobt “Ich werde alle Lebewesen ans Ufer bringen und sie von den Leiden befreien“. Obwohl sie wissen, dass alle Phänomene, ohne Unterschied zur Nirvana, nicht entstehen und nicht vergehen, leisten sie dennoch mit der Kraft ihrer edlen Ausdauer Verdienste und Tugenden und vervollkommnen so die sechs Paramitas. Warum? Weil sie in der vollkommenen Weisheit verweilen, ohne sich an den Phänomenen anzuhaften.[18]

Schlussfolgernd ist ein Bodhisattva jemand, der aus der Sicht der mittleren Betrachtung und aus Mitgefühl zu allen Wesen gelobt, das höchst vollkommen Erwachen zu erlangen und Buddha zu werden, aber nicht ins Nirvana eintritt, auch wenn er es schon könnte. Er beendet nicht alle Geistestrübungen, bleibt dadurch, ohne Abscheu vor den Leiden und Schwierigkeiten im Reinkarnationskreislauf und hilft unermüdlich und unaufhörlich alle Wesen, sich vom Leiden zu befreien.

Dieser Beitrag stellt eine einfache Darstellung eines Bodhisattvas dar. Es sind noch viel mehr Details über den Unterschied zwischen einem Bodhisattva, einem Hörer oder einen Einzelerwachten in der Abhandlung der vollkommenen Weisheit zu finden. Auch der Entwicklungsweg, die Eigenschaften und Fähigkeiten eines Bodhisattvas werden viel ausführlicher beschrieben. Die Zitate oben sollen daher nur einen ersten Eindruck vermitteln.

In den Mahayana-Schulen sind 6 Paramitas als Praxisweg eines Bodhisattvas bekannt. Manche Schulen sprechen auch von 10 Paramitas. Diese Abhandlung hat maßgeblich zur Etablierung der 6 Paramitas beigetragen, weil sie diese sechs Übungswege sehr ausführlich beschrieben hat. Wie sehen nun diese Praxis des Bodhisattvas aus? Darum geht es im nächsten Beitrag.

–> Fortsetzung: Teil 23: Nagarjunas Abhandlung der vollkommenen Weisheit: über die Bodhisattvapraxis und die sechs Paramitas (1)


[1] 諸阿羅漢智慧雖少而已成熟,諸菩薩智慧雖多而煩惱未盡 ——大智度初品中菩薩釋論第八(卷第四)

[2] 復次,如〈般若波羅蜜義品〉中說:「菩薩智慧相,與聲聞智慧,是一智慧;但無方便、無大誓莊嚴、無大慈大悲,不求一切佛法、不求一切種智知一切法,但厭老病死、斷諸愛繫、直趣涅槃為異。」——大智度論初品中欲住六神通釋論第四十三(卷二十八)

[3] 阿羅漢、辟支佛但斷煩惱,不能斷習;菩薩斷一切煩惱及習,令盡無餘。——大智度論釋初品大慈大悲義第四十二(卷二十七)

[4] 有二因緣故,菩薩智慧勝聲聞、辟支佛:一者、以空知一切法空,亦不見是空;空以不空等一不異。二者、以此智慧,為欲度脫一切眾生令得涅槃。聲聞、辟支佛智慧但觀諸法空,不能觀世間、涅槃為一。——大智度論釋報應品第二(卷三十五)

[5] 有聲聞人、辟支佛人、有求生天人、有求樂自活人,此四種人不墮菩薩中。何以故?是人不發心言「我當作佛」故。——大智度初品中菩薩釋論第八(卷第四)

[6] 初阿僧祇中,心不自知我當作佛不作佛;二阿僧祇中,心雖能知我必作佛,而口不稱我當作佛;三阿僧祇中,心了了自知得作佛,口自發言,無所畏難:「我於來世當作佛。」——大智度初品中菩薩釋論第八(卷第四)

[7] 如人入海,有始入者,有盡其源底者,深淺雖異,俱名為入。佛、菩薩亦如是,佛則窮盡其底;菩薩未斷諸煩惱習,勢力少故,不能 深入。如後品中說譬喻:如人於闇室然燈,照諸器物,皆悉分了;更有大燈,益復明審。則知後燈所破之闇,與前燈合住;前燈雖與闇共住,而亦能照物。若前燈無闇,則後燈無所增益。諸佛菩薩智慧亦如是;菩薩智慧雖與煩惱習合,而能得諸法實相,亦如前燈亦能照物;佛智慧盡諸煩惱習,亦得諸法實相,如後燈倍復明了。——大智度論釋初品中般若波羅蜜第二十九(卷第十八)

[8] 菩提名諸佛道,薩埵名或眾生,或大心。是人諸佛道功德盡欲得,其心不可斷不可破,如金剛山,是名大心。——大智度論釋初品中般若波羅蜜第二十九(卷第十八)

[9] 菩薩心自利利他故,度一切眾生故,知一切法實性故,行阿耨多羅三藐三菩提道故,為一切賢聖之所稱讚故,是名菩提薩埵。所以者何?一切諸法中,佛法第一;是人欲取是法故,為賢聖所讚歎。復次,如是人為一切眾生脫生、老、死故索佛道,是名菩提薩埵。——大智度初品中菩薩釋論第八(卷第四)

[10] 我作佛時,世界無 眾苦,乃至無三惡之名。——大智度初品中摩訶薩埵釋論第九(卷第五)

[11] 有佛世界一切眾生皆行十善,有大智慧,衣被飲食,應念而至;便發願言:我作佛時,世界中眾生,衣被飲食,亦當如是。

[12] 是諸菩薩摩訶薩願言:「盡教化一切十方眾生,盡供養供給一切十方諸佛,願令一切十方諸佛土清淨,心堅受持一切十方諸佛法,分別知一切諸佛土故,盡知一切諸佛弟子眾故,分別知一切眾生諸心故,知斷一切眾生諸煩惱故,盡知一切眾生諸根故,諸菩薩發心作阿耨多羅三藐三菩提。」——大智度初品中摩訶薩埵釋論第九(卷第五)

[13] 問曰:諸菩薩行業清淨,自得淨報,何以要須立願然後得之?譬如田家得穀,豈復待願? 答曰:作福無願,無所摽立,願為導御,能有所成。譬如銷金,隨師所作,金無定也。——大智度初品中佛土願釋論第十三(卷第七)

[14]  […] 復次,莊嚴佛世界事大,獨行功德不能成故,要須願力。譬如牛力雖能挽車,要須 御者能有所至;淨世界願亦復如是,福德如牛,願如御者。——大智度初品中佛土願釋論第十三(卷第七)

[15] 問曰:若不作願,不得福耶? 答曰:雖得,不如有願;願能助福,常念所行,福德增長。——大智度初品中佛土願釋論第十三(卷第七)

[16] 問曰:若作願得報,如人作十惡,不願地獄,亦不應得地獄報? 答曰:罪福雖有定報,但作願者修少福,有願力故得大果報,如先說。罪中報苦,一切眾生皆願得樂,無願苦者,是故不願地獄。以是故,福有無量報,罪報有量。有人言:最大罪在阿鼻地獄,一劫受報;最大福在非有想非無想處,受八萬大劫報。諸菩薩淨世界願,亦無量劫入道得涅槃,是為常樂。——大智度初品中佛土願釋論第十三(卷第七)

[17] 慈悲是佛道之根本。所以者何?菩薩見眾生老病死苦、身苦心苦、今世後世苦等諸 苦所惱,生大慈、悲,救如是苦,然後發心求阿耨多羅三藐三菩提。亦以大慈悲力故,於無量阿僧祇世生死中,心不厭沒;以大慈悲力故,久應得涅槃而不取證。以是故,一切諸佛法中,慈悲為大;若無大慈大悲,便早入涅槃。——大智度論釋初品大慈大悲義第四十二(卷二十七)

[18] 菩薩憐愍眾生故,先立誓願,我必當度脫一切眾生。以精進波羅蜜力故,雖知諸法不生不滅如涅槃相,復行諸功德,具足六波羅蜜。所以者何?以不住法住般若波羅蜜中故。——大智度論釋初品中舍利弗因緣第十六(卷第十一)


(Mit Korrekturen von Ursula Presslauer, Birgit Seissl, Jörg Hollenstein und Alexander Maurer)



Kategorien:Buddhismus China

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