Die Schule der Abhandlung zum Zehn-Stufen-Sutra und der Bodhisattvaweg – Einleitung

Beitragsreihe: Wie kam der Buddhismus nach China?

Kap. 1: Die Anfänge der chinesischen Philosophien und Religionen

Kap. 2: Die Durchsetzung des Buddhismus in der Wei- und Jin-Zeit (220-420 n. Chr.)

Kap. 3: Die Ausgestaltung des chinesischen Buddhismus in den Nord-Süd-Dynastien (420-589 n. chr.)

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Teil 18: Die Schule der Abhandlung zum Zehn-Stufen-Sutra und der Bodhisattvaweg

18-1: Einleitung

Seit der Völkerwanderung im Jahr 311 standen die meisten chinesischen Machthaber dem Buddhismus – mit wenigen Ausnahmen – wohlwollend gegenüber (siehe Beitrag Auf und ab: der Buddhismus zwischen politischen Unterdrückungen und Förderungen). Die Zeit der Nord- und Süd-Dynastien (420–589) war eine bedeutende Epoche für die Übersetzung buddhistischer Sutren aus dem Sanskrit ins Chinesische, insbesondere jener der Yogācāra-Schule. Diese Übersetzungsarbeiten wurden überwiegend von buddhistischen Mönchen aus Indien oder aus den westlichen Regionen zwischen Indien und China geleitet, unterstützt von chinesischen Mönchen und Gelehrten.

In den vorhergehenden Beiträgen wurden bereits herausragende Übersetzer wie Kumārajīva, Buddhabhadra, Guṇabhadra und Bodhiruci vorgestellt. Ihre Übersetzungen spielten eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung der chinesischen buddhistischen Schulen (siehe Beitrag Ein Überblick über die chinesischen buddhistischen Schulen).

Gegen Ende des zweiten Kapitels „Die Durchsetzung des Buddhismus in der Wei- und Jin-Zeit“ und zu Beginn des 3. Kapitels „Ausgestaltung des chinesischen Buddhismus in der Zeit der Nord- und Süd-Dynastien“ wurde die Parinirvana (Tathagatagarbha) Schule behandelt. Darüber hinaus wurden zentrale Sutren der Yogācāra-Schule wie das Samdhi-Nirmocana-Sutra und Lankavatara Sutra vorgestellt. Letzteres war zudem maßgeblich für die Entwicklung der Chan- oder Zen-Schule, deren Geschichte anhand ihrer Koans betrachtet wurde.

Als Nächstes wird die Schule der Abhandlung zum Zehn-Stufen-Sutra (Chin.: 十地經論, Skt.: dasabhumikasutra sastra) vorgestellt, welche sich aus der Übersetzung des Kommentarwerkes zum Zehn-Stufen-Sutra ab dem Jahr 508 n. Chr. entwickelte. Das Zehn-Stufen-Sutra (Chin. 十地經/十住經, Skt.: dasabhumika sutra) erläutert, wie der Name sagt, die zehn Stufen, welche ein Bodhisattva bis zur Verwirklichung der Buddhaschaft durchläuft.

Ein zentrales Merkmal des Mahayana-Buddhismus ist der Bodhisattvaweg. Demgemäß wurde der Buddha Gautama in seinen früheren Leben als Bodhisattva von zahlreichen früheren Buddhas unterrichtet. Vom Beginn der Bodhisattva-Praxis bis zur Vollendung als Buddha Shakyamuni durchlief er extrem lange Zeiträume. Während dieser Zeit sammelte er zahlreiche gute Wurzeln und Verdienste, um letztlich die Buddhaschaft zu erreichen. Dieser Entwicklungsprozess soll den Buddha Gautama von seinen vielen erwachten Schülern unterscheiden. Die Mahayana-Lehre beschreibt diesen Unterschied detailliert und teilt die Praxiswege in drei Fahrzeuge ein: Hörer (Sravaka), Einzelerwachte (Pratyekabuddha) und Bodhisattva. Eines der ältesten Sutras hierzu ist das Lotussutra (siehe Beitrag: Das Lotussutra und die drei Fahrzeuge der Buddhalehre).

Im Palikanon erscheint zwar ebenfalls der Begriff Bodhisattva, jedoch bezeichnet er einfach „jemanden, der das Erwachen anstrebt“. Gautama Buddha verwendet dort diesen Begriff, um sich selbst vor seinem Erwachen zu beschreiben (Siehe Beitrag: Die Bedeutung von „Bodhisattva“). Laut der Mahayana Lehre führt nur der Bodhisattvaweg zur Vollkommnung der Weisheit (Prajna Paramita), die es ermöglicht, Buddha zu werden. Der wesentliche Unterschied liegt in ihren Sichtweisen (siehe Beitrag: …über die vollkommene Weisheit, die absolute Sicht und Wahrheit).

Ein wichtiges Merkmal des Bodhisattvaweges ist das Bodhisattvagelübde, das seinen Wunsch das höchst vollständige Erwachen eines Buddhas zu erlangen, um allen Wesen zur Erlösung zu verhelfen, zum Ausdruck bringt (Siehe Beitrag: …über das Bodhisattvagelübde).

Und der Praxisweg des Bodhisattva wird „Paramita“ genannt, was „das andere Ufer“ oder „Vollkommenheit“ bedeutet. Allgemein sind die sechs Paramitas bekannt (Siehe Beitrag: …über die Bodhisattvapraxis und die sechs Paramitas (1) (2) (3)). Das Zehn-Stufen Sutra beschreibt hingegen zehn Paramitas, passend zu den zehn Stufen des Bodhisattvaweges. Diese werden wir in einem späteren Beitrag ausführlicher abhandeln.

–> Fortsetzung: Über das Zehn-Stufen-Sutra


Lektorat: Ursula Presslauer, Birgit Seissl, Florian Feld, Pascal Hauser, Jörg Hollenstein, Alexander Maurer, Roland Parth

Korrekturen mit Unterstützung von ChatGPT (OpenAI)



Kategorien:Abahndlung zum Zehn-Stufen-Sutra, Buddhismus China, Lankavatarasutra

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