
Ein Zitat aus dem Buch „Gesammelte Worte des Seniorobermeister Gao“, eine Sammlung von Zitaten des Seniorobermeisters Gao Binkai
Wer das Dao praktiziert, für den zählen weder besonderes Können noch überlegene Stärke. Das Einzige, was es zu kultivieren gilt, ist die reine Aufrichtigkeit. Ob wir in den klassischen Schriften lesen oder auf das Handeln unserer erfahrenen Vorbilder blicken – stets erkennen wir, dass diese unverfälschte Aufrichtigkeit das Fundament des Weges bildet.
Ihr Gegenpol ist die Unaufrichtigkeit. Sie bedeutet, dass das, was gezeigt wird, nicht echt ist: Es ist geheuchelt, aufgesetzt und entspricht nicht dem eigenen Wesen. Es ist lediglich ein mühsames Überdecken und künstliches Vorführen, dem jede lebendige Wahrheit fehlt. […]
Wenn wir uns daran erinnern, mit welcher Aufrichtigkeit und Herzensgüte Dao-Meister Zhang Wenyun[1] den Menschen begegnete und wie er seine Schüler in eben dieser Echtheit formte, werden uns unsere eigenen Unzulänglichkeiten bewusst und wir werden demütig. Er besaß den Mut und die Charakterstärke, die Wahrheit offen auszusprechen. Bei uns ist das oft anders. Wir wägen ab, überlegen, analysieren und verlieren uns schließlich im Dickicht unserer Gedanken, bis uns der Blick für das Wesentliche abhandenkommt. Wir flüchten uns in diplomatische Floskeln, Oberflächlichkeiten und Ausflüche.*
Mitunter scheint es sogar, als würden manche Menschen umso glatter werden, je länger sie das Dao praktizieren. Man kann ihnen nicht mehr ins Herz schauen. Wir begegnen einander nicht mehr von Herz zu Herz und von Aufrichtigkeit zu Aufrichtigkeit. Stattdessen wird der Geist unruhig; Unzufriedenheit und Groll sammeln sich an. Ist das wirklich Aufrichtigkeit?
Gerade an diesem Punkt müssen wir ehrlich in uns hineinschauen und den Mut zur Wahrheit finden. Untereinander sind wir wie Geschwister. Den Wegweisern begegnen wir mit Respekt, den Nachfolgenden mit Fürsorge, und untereinander pflegen wir geschwisterliche Verbundenheit. Doch wagen wir es tatsächlich, einander die Wahrheit zu sagen? Allzu oft lautet die Antwort: „Nein.“ Warum? Weil wir fürchten, den anderen zu verärgern oder zu verletzen. Warum sollten ausgerechnet wir die unbequeme Rolle übernehmen?
Ich erinnere mich an ein Wort von Dao-Meister Zhang: „Es ist mir gleich, ob du mich beneidest, beschimpfst, dich über mich ärgerst oder mich hasst – solange du den Weg zur Befreiung findest. Aber dich mit Gefälligkeiten ins Verderben zu führen, das werde ich nicht tun.“
Seine Botschaft war eindeutig: Lieber stoße ich dich vor den Kopf und helfe dir, den rechten Weg zu finden, als dir nach dem Mund zu reden und dich damit in die geistige Dunkelheit laufen zu lassen. Darin zeigt sich die wahre Haltung der alten Meister. Sie mahnt uns, den Mut aufzubringen, aufrichtig zu handeln und die Wahrheit auszusprechen.
Doch wenn du die Wahrheit nur aus einer momentanen Laune heraus sagst, aus Missgunst, Neid, Bitterkeit oder Frustration, dann musst du diese inneren Regungen zunächst loslassen. Solche Emotionen und die daraus entstehenden verletzenden Worte sind nichts als Ballast. Sprich stattdessen ruhig, sachlich und vernünftig über deine Sicht der Dinge und bringe deine Vorschläge offen vor.
Auch im Austausch mit den Lehrenden sollten wir ehrlich und offen kommunizieren. Wir können beispielsweise sagen: „Ich wünsche mir, dass wir nicht in diesem Ton miteinander sprechen. Dieser Ton trennt uns voneinander und entspringt dem Ego.“ Ein solches aufrichtiges Miteinander ist unverzichtbar, denn wir sind eine Gemeinschaft. Nur indem wir uns gegenseitig spiegeln, schleifen und verfeinern, können wir gemeinsam auf dem Weg des Dao voranschreiten. Genau das bedeutet es, das Dao miteinander zu praktizieren.
––Aus dem „Gesammelten Worte des Seniorobermeister Gao“, Seite 229-239
[1] Geboren im Jahr 1909 auf dem chinesischen Festland, empfing er im Juni 1935 die Dao-Initiation beim Weg der Einheit und widmete sich fortan vollkommen der Entfaltung und Verbreitung des Weges. Im Jahr 1948 folgte er dem Ruf, nach Taiwan zu gehen, um dort als Pionier den Weg zu erschließen und zu verkünden; damit legte er das Fundament für das Aufblühen von I Kuan Tao in Taiwan. Im Jahr 1990 vollendete er sein Wirken auf Erden und erhielt posthum den Ehrentitel „Erhabener Herr der Heiligen Tugend“.
學道人,不在能,不在強,唯誠是修。我們講「誠」,不管在經典上或是在書籍上,或前輩的成全上,都離不開一個「誠」字。相對於誠的「偽」字,從偽的立場來看,簡單說,它就是不真實、虛心假意、做作的,不是從本心本性上展現出來的,而是加料混合的,無可奈何的遮掩一下,表現一下,這些都不真實。[…]
每當回憶起張文運道長生前對待人的那份誠、那份真,再看他訓練後學的誠與真,我們實在感覺到很慚愧,他能拿出魄力說真話,而我們就不一樣,為考慮而考慮,可能都讓道理給迷惑了,是非得失給遮蓋了,處處用圓滿的、表面的、應付的、敷衍的,修越久越滑頭,說話看不到底,有的是互相不能以心換心,以誠換誠,越修心越多,越不滿,越不平,累積了多少是非、怨懟,這個是誠嗎?在這點上真是我們要推敲自己的心,來講講真話。我們大家兄弟姐妹之間是平行的,對上是孝,對下是慈,彼此是悌,但是互相之間,我們敢不敢說真話?「不敢!」為什麼?因為怕對方不高興,怕得罪人,我何必做壞人呢?
我記得以前張道長說過:「你怨我、罵我、氣我、恨我,都不要緊,只要你能上天堂。但把你騙到地獄去,我不幹。」張道長的意思是:我寧可得罪你,使你上天堂,也不願意講一句好話,而讓你下地獄。這正是老前輩的一種修道的風骨,希望大家敢辦真事,敢說真話。
不過你若是存有意氣、有對待、有嫉妒、有挖苦及不平、不滿,就得去掉渣滓,對立情緒的話,意氣與嫉妒的話,這些都是渣滓,你心平氣和、理智的訴說你的分析和你的建議,平心而論與點傳師之間也要講真話溝通一譬如,希望你不要用這種語氣好嗎?這種語氣完全是意氣的、對立的,彷彿你就是老大,完全看不到別人的,你不能這樣子,因為我們有這麼多人,這才是如切如磋、如琢如磨的「修道」。
——《高老前人慈語集錦第二百二十九至二百三十九頁》
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Kategorien:Zitate des Seniorobermeisters
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