Anekdote: Regel Nummer Sechs

Die folgende Anekdote ist eine freie Nacherzählung einer Geschichte aus The Art of Possibility von Benjamin und Rosamund Zander (2000)

Zwei Regierungschefs saßen beisammen, vertieft in ein Gespräch über die Lage ihres Landes. Die Atmosphäre war ruhig und konzentriert – bis plötzlich die Tür aufflog und ein Mitarbeiter hereinstürmte. Rot vor Ärger, wild gestikulierend, schlug er mit der Faust auf den Tisch und überschüttete den Raum mit Vorwürfen.

Der Gastgeber sah ihn freundlich, aber bestimmt an. „Peter“, sagte er ruhig, „denk an Regel Nummer Sechs.“ Wie auf Knopfdruck hielt der Mann inne, atmete tief durch, murmelte eine Entschuldigung und verschwand wieder.

Die beiden Staatsmänner setzten ihr Gespräch fort. Doch kaum waren ein paar Minuten vergangen, stürzte eine Mitarbeiterin herein – völlig außer sich, mit flatterndem Haar und einer Stimme, die den Raum füllte. Wieder sprach der Gastgeber gelassen: „Maria, Regel Nummer Sechs.“ Die Frau verstummte, sammelte sich, verbeugte sich leicht und zog sich zurück.

Als sich die Szene ein drittes Mal wiederholte, konnte der Gast seine Verwunderung nicht länger verbergen. „Mein Freund“, sagte er, „ich habe in meinem Leben viel erlebt, aber so etwas noch nie. Was hat es mit dieser geheimnisvollen Regel Nummer Sechs auf sich?“

Der Gastgeber lächelte. „Sie ist ganz einfach: Nimm dich selbst nicht so furchtbar wichtig.“

Der Besucher nickte anerkennend. Nach einem Moment des Nachdenkens fragte er: „Und… was steht in den anderen Regeln?“

„Es gibt keine anderen.“


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