Podiumsutra – Kap. 3 (1): die tugendhaften Verdienste

Dharmaschatz Podiumsutra d. 6. Ahnlehrers Kap. 3 (1): die tugendhaften Verdienste

— Begleitlektüre zum wöchentlichen Drei Schätze Retreat am 05.03.2020

Huinengs Vorträge im Kloster Dafan fanden großen Anklang bei den Zuhörern, die ihn als einen Buddha ansahen. Das nun folgende Kapitel behandelt Fragen und Antworten, welche der Präfekt Wei gestellt und erhalten hat. Um diese Fragen nachvollziehen zu können, sollte man folgende Konzepte aus dem Buddhismus kennen: unser Dasein ist die Folge unseren früherer Handlungen auf geistiger, verbaler und physischer Ebene (Karma). Gute und schlechte Taten haben Konsequenzen und werden im Laufe des Kreislaufes der Wiedergeburten (Samsara) ausgeglichen. Das Ziel der Praxis ist Nirvana, die Überwindung vom Samsara. Anders ausgedrückt: das Entkommen aus dem Reinkarnationskreislauf, das Erwachen/die Erleuchtung. Die Unterstützung Praktizierender durch Almosen oder sonstige Hilfeleistungen gilt als ein besonders günstiges Wirken, durch welches man viel Glück und Segen erfährt (Pali: punna/Sanskrit: punya). Diese guten Karmafrüchte führen nicht zum Erwachen, erleichtern aber (durch günstige Lebensverhältnisse und geknüpfte karmische Beziehungen zu den Buddhas und Heiligen) den Weg dorthin.

Die erste Frage des Präfekten Wei an Huineng handelt von diesen Verdiensten. Gegenstand ist die Begegnung des chinesischen Kaisers Wu von Liang (464 – 549 n. Chr.) mit Bodhidharma (~440 – ~528 n. Chr.), dem Begründer des chinesischen Chan-Buddhismus. Zu jener Zeit war China durch den Einfall von Nomadenvölkern aus dem Norden in zwei Reiche geteilt (die Zeit der Nord- und Süd-Dynastien). Kaiser Wu, der Herrscher der südlichen Liang-Dynastie, war ein Anhänger und Förderer des Buddhismus und ließ zahlreiche Klöster errichten und Mönche ordinieren, was die städtische Landschaft in China bis heute maßgeblich geprägt hat. Als einer der gelehrtesten Kaiser von China sammelte er große Gelehrte und Dharma-Meister um sich, um mit ihnen zu diskutieren. Auch Bodhidharma wurde nach seinem Eintreffen aus Indien in China an den Hof geladen. Es entwickelte sich folgendes berühmtes Gespräch:

Der Kaiser fragte: „Ich habe mein ganzes Leben lang Klöster errichten und Mönche ordinieren lassen sowie Almosen und vegetarische Festmähler gespendet. Welchen Verdienst habe ich damit verwirklicht?“
 
Bodhidharma antwortete: „[Diese sind] wahrlich keine Verdienste!“
 
Der Kaiser war verwundert: „Warum [sind sie] keine Verdienste?“
 
Boddhidharma sagte weiter: „Diese sind kleine Früchte für Mensch und Himmelwesen, somit die Ursache für unvollkommene [Karma-Folgen]. Diese sind wie Schatten, die an die Formen haften, und keine wahrhafte Existenz.
 
Der Kaiser gab sich nicht zufrieden: „Was sind dann wahrhafte Verdienste?“
 
Boddhidharma brachte das Ziel der Praxis auf den Punkt: „[Sie sind] rein, weise, wundersam, vollkommen, von Natur aus leer und still im Wesen, solche [wahren] Verdienste, können nicht mit dem weltlichen Sinn erlangt werden.“

Der Meister sieht also die Verdienste des Kaisers innerweltlich und nicht der edlen Wahrheit entsprechend. Dem Kaiser dürfte selten so direkt widersprochen worden sein, wobei seine Leistungen derart abgewertet wurden. Da fragt er den barbarisch aussehenden, respektlosen Inder nochmals: „Was ist dann der höchste Sinn der edlen Wahrheit?“
 
Bodhidharma wird den Unmut des Kaisers bemerkt haben, gibt aber nicht nach und antwortet: „In der Leerheit gibt es keinen Edlen.“

Der Kaiser daraufhin provozierend: „Wer sitzt dann mir gegenüber?“
 
Bodhidharma: „Kenne ich nicht.“ Der Kaiser begriff es nicht. [1]

Der verstimmte Kaiser beendete das Gespräch und ließ den Meister gehen. Bodhidharma fand im Kaiser keinen geeigneten Schüler, er reiste weiter in das Nordreich, ließ sich am Berg Songshan 嵩山 nieder (später durch das Shaolin Kloster berühmt) und wartete auf seinen Nachfolger.

Was einst den Kaiser Wu von Liang irritierte, verstand auch Präfekt Wei nicht und bat den Ahnlehrer Huineng um eine Erklärung. Er fragte auch aus Eigeninteresse, da er vergleichbare Spenden wie Kaiser Wu vollzog: allein schon diese Versammlung – über tausend Zuhörer – war sicherlich mit großen finanziellen Lasten verbunden. Huineng antwortete:

„Wahrlich kein Verdienst! Zweifle nicht an der Aussage des alten Weisen. Der Kaiser Wu hegte falschen Geist und kannte das rechte Dharma nicht. Die Errichtung von Klöstern, die Ordinierung von Mönchen sowie das Spenden von Almosen und vegetarischen Festmählern bedeuten das Streben nach Glück. Das Glück ist nicht zu verwechseln mit dem [wahren] Verdienst. Der [wahre] Verdienst liegt im Dharmakaya (der Buddhanatur) und nicht in der Suche nach Glück.“ [2]

Das chinesische Wort 功德 Gong-De, was als Verdienst übersetzt wird, wird verbreitet als „Verdienst zum Erlangen von Glück oder Segen“ verstanden, obwohl es an sich nicht diese Bedeutung hat. Die entsprechenden indischen Worte Punna/Punya für „Verdienst“ wurden im chinesischen Buddhismus zu zwei Wörtern: 功德 Gong-De als der Verdienst zur Verwirklichung der Buddhanatur und 福德 Fu-De als die Samen für Wohlergehen. Das Unverständnis von Kaiser und Präfekt könnte darin liegen, dass sie die verbreitete falsche Bedeutung des Wortes Gong-De im Sinn hatten.

Es könnte gut sein, dass der Kaiser einfach nur wissen wollte, welche Glücksfrüchte er für seine gute Taten ernten könnte. Warum ihn Bodhidharma aber kalt mit der Antwort „Wahrlich kein Verdienst!“ abwies, wird daran liegen, dass er dem Kaiser verdeutlichen will, dass die Buddha-Lehre nicht darauf abzielt, nur weltliches Glück zu erlangen. Bodhidharma hoffte, im Kaiser seinen gesuchten Nachfolger zu finden. Macht und Reichtum aber verursachen in der Regel starke Anhaftungen in den Personen, die sie besitzen. Solche Menschen können schwer loslassen. Es kam also nicht zum erhofften Durchbruch.

Dies trifft wohl auch beim Präfekten Wei zu. Je mehr man besitzt, desto komplizierter werden die Lebensumstände, desto mehr Geistestrübungen zieht man sich dadurch zu. Gewährte Wohltaten bewirken zwar gute Früchte, erlösen einen aber nicht von den eigenen Geistestrübungen und somit nicht vom Karma. Nur wahres Verdienst kann diesen Effekt ermöglichen. Huineng zählt im Folgenden mehrere Eigenschaften auf, die beschreiben, was das Wort 功德 Gong-de, – wörtlich übersetzt heißt es eigentlich tugendhafte Verdienste, wirklich bedeutet:

„Das [Ur]Wesen zu erkennen ist Verdienst. Gleichheit ist Tugend.[3]

 Geistestrübungen loslassen, die reine, klare Natur erlangen. Erkennen, dass das Ich und die anderen Wesen eins und nicht verschieden sind. Alles ohne Zweiheit betrachten, nicht nachtragen.

Sei bei allen Gedanken ohne Blockade [rein und klar]. Sehe stets das [Ur]Wesen und lasse [es] wahrhaftig zur Auswirkung kommen! Das heißt tugendhafte Verdienste.[4]

Übe das Nichts-Tun im reinen, klaren natürlichen Sein. In dem Zustand kann das Urwesen fließen, zur Entfaltung und Auswirkung kommen. Finde so bei allen Angelegenheiten den Weg der Mitte und Harmonie.

Im Inneren Bescheidenheit und Demut im Herzen hegen ist Verdienst,
im Äußeren schicklich zu handeln ist Tugend; [5]

Um das Urwesen zu erfassen und zu bewahren, muss die Ich-Anhaftung (das Ego) losgelassen werden. Fällt diese Ego-Anhaftung weg, ist man eben nicht egoistisch, lebt ganz natürlich in Demut und Bescheidenheit. Um zu wissen, ob man im Urwesen lebt, muss man nur prüfen, ob man Demut und Bescheidenheit im Herzen fühlt. Dies kommt durch das angemessene Verhalten im Außen zum Ausdruck. 

Im eigenen [Ur]Wesen alle Phänomene zu etablieren ist Verdienst, der Geistkörper ohne Anhaftung an den Gedanken ist Tugend; [6]

Man ist dann imstande, die eigenen Gedanken zu leiten: die guten kann man umsetzen, die schlechten sein lassen. Letztendlich kommen dann immer nur gute und weise Gedanken zur Entfaltung. Dennoch ist man stets in der Lage, nicht an den eigenen Gedanken anzuhaften, und stets wieder zur Stille zurückzukehren.

Das eigene [Ur]Wesen nicht zu verlassen ist Verdienst,
beim Wirken nach außen sich nicht beflecken zu lassen ist Tugend.[7]

Man bleibt seiner ursprünglichen reinen Natur treu und handelt stets gewissenhaft. Alle sechs Sinne wirken natürlich, werden nicht befleckt durch Außenreize.

Wer nach dem verdienstvollen tugendhaften Dharmakaya (Buddhawesen) sucht, soll demgemäß handeln; Dies sind [erst] die wahren tugendhafte Verdienste.[8]

Dieses Urwesen wird im Mahayana Buddhismus auch das Buddhawesen oder die Buddhanatur genannt. Sie ist die einheitliche Grundlage aller Lebewesen – leer, aber alles umfassend. Leer und nicht-leer zugleich: ein nichtduales absolutes Sein. Im System des Yogacara bezeichnet man dies mit Dharmakaya. Es heißt ja: alle Lebewesen haben die gleiche Buddhanatur. Ein Gedanke verblendet – ein weltliches (leidhaftes) Wesen, ein Gedanke erwacht – ein Buddha. Die wahren tugendhaften Verdienste sind Wirkungen (Handlungen) des reinen, klaren Dharmakaya.

Wer die tugendhaften Verdienste kultiviert, ist im Herzen nicht überheblich und übt den universalen Respekt. Wer stets im Geiste die anderen Menschen geringschätzt, hegt ständig die Ich-Anhaftung. So hat man keinen Verdienst; Wenn das eigene [Ur]Wesen wahnhaft[e] und falsch[e Gedanken hegt], so hat es auch keine Tugend. Dies ist eben deswegen, weil man egozentrisch überheblich ist und andere ständig geringschätzt. [9]

Wie vorhin schon erwähnt, ist jemand, der tugendhafte Verdienste leistet, jemand, der das Urwesen verwirklicht. So jemand ist „demütig und bescheiden im Herzen“ – das ist das Gegenteil von egozentrisch und überheblich – und hegt stets den Respekt vor allen Wesen. Wer an seinem Ich anhaftet, dessen Geist ist verblendet und betrübt. Der sieht sein wahres Wesen nicht, er hegt wahnhafte Vorstellungen und Gedanken, die zu noch mehr Geistestrübungen und negativen Karma-Früchten führen.

Edle Gefährten!
Im Geiste ununterbrochen [achtsam, rein und klar] ist Verdienst,
im Geiste die Gleichheit und Einfachheit hegen ist Tugend;
Das eigene [Ur]Wesen vervollkommnen ist Verdienst,
den eigenen Körper kultivieren ist Tugend![10]

Das Urwesen ist bewahrt, wenn man stets achtsam bleibt und den reinen, klaren Zustand des Geistes bewahrt. Begreift man, dass alle Mitwesen im Grunde eins mit einem selbst sind, hegt man keine Zwietracht mehr und trägt nichts nach. So trägt man Gleichmut im Herzen und reagiert bei allen Angelegenheiten unkompliziert. Wer wahre Verdienste zur Vervollkommnung im Übungsweg leisten möchte, hat stets die Kultivierung von Geist und Körper im Sinn.

Edle Gefährten!
Die Tugend-Verdienste sind im Inneren beim eigenen [Ur]Wesen zu erkunden, nicht können diese durch Almosen und Spenden erstrebt werden. Darin liegt der Unterschied zwischen Glück [erbringenden Leistungen] und Tugend-Verdiensten. Kaiser Wu kannte nicht das wahre Prinzip, der Fehler lag [daher] nicht beim Ahnlehrer. [11]

Nach all den Erklärungen zum Tugend-Verdienst macht Huineng die Schlussfolgerung: der Kaiser Wu verwechselte äußere Wohltaten mit Tugend-Verdiensten und hat nicht begriffen, dass letztere nur im Urwesen zu finden sind. Kultiviert man Körper und Geist, leistet man Tugend-Verdienste. Positive Handlungen erbringen zwar positive Karma-Früchte, helfen einem aber nicht, die Ich-Anhaftung loszulassen und die Buddhanatur (das Dharmakaya) zu finden.

Mit dieser Antwort hat Huineng einerseits das eigentliche Ziel der Praxis: das Erwachen bzw. das Erkennen der Dharmakaya (oder der Buddhanatur) dargestellt, andererseits klar gemacht, dass Almosen- und Spendenleistungen sehr wohl gute Früchte erbringen. Glückliche Lebensverhältnisse führen zwar nicht zum Erwachen, erleichtern es aber, den Weg der Praxis überhaupt zu beschreiten. Gautama Buddha selbst wurde als der Weltenlehrer bezeichnet, der beides, Weisheit und Glück, vervollkommnet hat. Ohne die natürliche Weisheit (Prajna) ist das Erwachen nicht zu erlangen, und Glück ohne Weisheit würde zu noch mehr Geistestrübungen führen. Die Kultivierung des inneren Wesens ist für Huineng die Basis: nur darauf beruhend ist der Verdienst auch tugendhaft. Demgemäß ist das Almosengeben ohne Anhaftung an die Formen erst der wahrhafte Verdienst. Ohne Anhaftung an Formen heißt: man setzt dabei nicht ein Ich als Spender und Empfänger voraus und hat keine Erwartung an Gegenleistungen oder Segen. Ein Zitat aus der Bergpredigt des Jesus von Nazareth zeigt, dass dies auch zu anderen Zeiten und Orten so gesehen wurde:

Habt acht bei euren Almosen, dass ihr die nicht vor den Leuten gebt, damit ihr von ihnen gesehen werdet; ihr habt sonst keinen Lohn bei eurem Vater im Himmel. Wenn du Almosen gibst, sollst du nicht groß tun damit, wie es die Heuchler tun, in den Schulen und auf den Gassen, damit sie von den Leuten gepriesen werden. Wahrlich ich sage euch: Sie haben ihren Lohn verspielt. Wenn du Almosen gibst, so lasse deine linke Hand nicht wissen, was die rechte tut, damit dein Almosen verborgen sei; und dein Vater, der das Verborgene sieht, wird dir’s öffentlich vergelten.

Die geistige Einstellung zum Almosengeben entspricht hier der eines Bodhisattva im Buddhismus. Mit dem Unterschied natürlich, dass die Vergeltung nach der Lehre des Christentums vom „Vater im Himmel“ kommt, nach dem Buddhismus aber durch die natürliche Abfolge von Ursache und Wirkung. Das Ziel der Praxis, das Erwachen, geht jedoch nicht durch Almosen, sondern durch die tugendhaften Verdienste, wie von Huineng beschrieben. Als Kontrastbeispiel zur Geschichte von Kaiser Wu möchten wir das berühmte Koan heranziehen, das davon erzählt, wie Boddhidharma letztlich seinen Nachfolger gefunden hat:

Auf dem Berg Songshan meditierte Bodhidharma in einer Höhle. Er wartete auf seinen geeigneten Nachfolger. Selten schenkte damals jemand dem alten Mönch aus Indien Beachtung. Nur einer kam zu ihm, brachte ihm Nahrung und das Notwendige für den Alltag. Er saß immer vor der Höhle und verweilte dort im Stillen, während Bodhidharma tief in die Meditation versunken war. Es war der bekannte chinesische buddhistische Meister Shenguang 神光. Bevor Bodhidharma sich in die Berghöhle zurückzog, sind sie sich einmal bei einem Vortrag von Shenguang begegnet.

Bodhidharma fragte ihn: „Du hast soeben vorgetragen, dass alle Phänomene aus der Einheit stammen. Dann sag mir, woher stammt dann die Einheit?“

Shenguang konnte keine Antwort darauf finden. Diese Frage beschäftigte ihn noch lange. Schließlich war er überzeugt, dass Bodhidharma ein wahrer Meister der Buddha-Lehre sei und suchte ihn. Schließlich fand er ihn bei der Höhle. Neun Jahre sollten vergehen, ohne dass sie miteinander sprachen.

Schließlich fragte Bodhidharma eines Tages: „Was suchst du eigentlich hier bei mir?“ Shenguang antwortete: „Ich möchte begreifen, woher die Einheit stammt.“
Boddhidharma darauf: „Möchtest du die wahre Buddhalehre erlangen, muss du dich zuerst vom Linken Seitlichen trennen.“

Im Altchinesischen bezeichnet man  falsche Wege oder Methoden als „seitliche Tore und linke Wege (旁门左道 pangmen zuodao)“. Boddhidharma hat die Worte abgekürzt, und diese Abkürzung „zuopang“ klingt ähnlich „linker Arm (左膀 zuobang)“. Shenguang zögerte nicht, nahm den Säbel, den ein Wandermönch zu jener Zeit immer mit sich trug, und hackte damit seinen linken Arm ab. Bodhidharma war sehr gerührt, sah den entschlossenen Willen und die fromme Natur des Jünglings: Er konnte seinen Körper loslassen, um die wahre Lehre zu erlangen. Er versorgte die Wunde und zeigte sich bereit, Shenguang als seinen Nachfolger zu nehmen. Es folgte die Übermittlung der Lehre, aber was genau übermittelt wurde, wurde nicht beschrieben. Diese war die erste „geheime Übermittlung des Haupt-Dharma-Augen-Schatzes“ des Chan-Buddhismus in China und machte Shenguang zum 2. Ahnlehrer der chinesischen Stammlinie. (Nach den Meistern des Weges der Einheit entspricht dies der „Transmission des himmlischen Sinnes“ beim Weg der Einheit.)

Wenig später fragte Shenguang den Meister: „Mein Geist ist aber noch nicht zur Ruhe gekommen, haben Sie einen Weg ihn zur Ruhe zu bringen?“

Bodhidharmas Antwort: „Gib mir deinen Geist, dann werde ich ihn beruhigen!“

In dem Moment erwachte Shenguang. Hatte er vorhin den Körper losgelassen, so hat er jetzt auch eingesehen, dass auch sein Geist nicht existiert.

Kaiser Wu von Liang trachtete danach, durch Wohltaten Glück zu erlangen. Also hegte er noch starke Anhaftung an das Ich, den Körper und den Geist. Wenn Shenguang seinen Körper opfern und seinen Geist zur Ruhe bringen konnte, dann hatte er folglich die Anhaftung an ein Ich losgelassen.

Ein Zitat vom Erhabenen Lehrer des Weges der Einheit, Zhang Tianran, dient uns als Abschluss:

Egal wer, und bei welcher Sache: sobald ein Gedanke entsteht, ist es entweder ein Verdienst oder eine Verfehlung, entweder Paradies oder Hölle. Achte daher behutsam auf deine Gedanken! Du muss dich geistig weiter entwickeln. Wenn dein Geist zur Ruhe und Klarheit kommen kann, ist es ein Verdienst, und es liegt nicht daran, wie viele Wohltaten du verrichtest hast. Der wahre tugendhafte Verdienst ist die Vervollkommnung deines Urwesens. [12]

Gutes zu tun ist eine Wohltat. Den gemeinen Lebewesen auf den Weg zur Selbstkultivierung zu verhelfen ist ein Verdienst. Ihnen helfen, die Vernunft zu erlangen und Einsicht [in das eigene Urwesen] zu gewinnen, ist ein wahrhaftiger tugendhafter Verdienst. [13]

Boddhidharma und Shenguang

Auf dem Berg Songshan meditierte Bodhidharma in einer Höhle. Er wartete auf seinen geeigneten Nachfolger. Selten schenkte damals jemand dem alten Mönch aus Indien Beachtung. Nur einer kam zu ihm, …

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[1]Aus der 3. Rolle der Sammlungen von historischen Daten des Chan-Buddhismus: Jingde Chuandeng Lu《景德传灯录》卷三:

帝问曰:朕即位已来造寺冩经度僧不可胜纪有何功徳?师曰:并无功德。帝曰:何以无功徳。师曰:此但人天小果,有漏之因,如影随形,虽有非实。帝曰:如何是真功德?答曰:浄智妙圆,体自空寂,如是功德,不以世求。帝又问:如何是圣谛第一义?师曰:廓然无圣。帝曰:对朕者谁?师曰:不识。帝不领悟。

dì wèn yuē :zhèn jí wèi yǐ lái zào sì xiě jīng dù sēng bù kě shèng jì yǒu hé gōng dé ?shī yuē :bìng wú gōng dé 。dì yuē :hé yǐ wú gōng dé 。shī yuē :cǐ dàn rén tiān xiǎo guǒ ,yǒu lòu zhī yīn ,rú yǐng suí xíng ,suī yǒu fēi shí 。dì yuē :rú hé shì zhēn gōng dé ?dá yuē :jìng zhì miào yuán ,tǐ zì kōng jì ,rú shì gōng dé ,bù yǐ shì qiú 。dì yòu wèn :rú hé shì shèng dì dì yī yì ?shī yuē :kuò rán wú shèng 。dì yuē :duì zhèn zhě shuí ?shī yuē :bù shí 。dì bù lǐng wù 。

[2]实无功德,勿疑先圣之言。武帝心邪,不知正法。造寺度僧、布施设斋,名为求福,不可将福便为功德。功德在法身中,不在修福。”

shí wú gōng dé ,wù yí xiān shèng zhī yán 。wǔ dì xīn xié ,bù zhī zhèng fǎ 。zào sì dù sēng 、bù shī shè zhāi ,míng wéi qiú fú ,bù kě jiāng fú biàn wéi gōng dé 。gōng dé zài fǎ shēn zhōng ,bù zài xiū fú 。”

[3]见性是功,平等是德。jiàn xìng shì gōng ,píng děng shì dé 。

[4]念念无滞,常见本性,真实妙用,名为功德。niàn niàn wú zhì ,cháng jiàn běn xìng ,zhēn shí miào yòng ,míng wéi gōng dé 。

[5]内心谦下是功,外行于礼是德。nèi xīn qiān xià shì gōng ,wài háng yú lǐ shì dé 。

[6]自性建立万法是功,心体离念是德。zì xìng jiàn lì wàn fǎ shì gōng ,xīn tǐ lí niàn shì dé 。

[7]不离自性是功,应用无染是德。bù lí zì xìng shì gōng ,yīng yòng wú rǎn shì dé 。

[8]若觅功德法身,但依此作,是真功德。ruò mì gōng dé fǎ shēn ,dàn yī cǐ zuò ,shì zhēn gōng dé 。

[9]若修功德之人,心即不轻,常行普敬。心常轻人,吾我不断,即自无功;自性虚妄不实,即自无德。为吾我自大,常轻一切故。

ruò xiū gōng dé zhī rén ,xīn jí bù qīng ,cháng háng pǔ jìng 。xīn cháng qīng rén ,wú wǒ bù duàn ,jí zì wú gōng ;zì xìng xū wàng bù shí ,jí zì wú dé 。wéi wú wǒ zì dà ,cháng qīng yī qiē gù 。

[10]善知识!念念无间是功,心行平直是德。自修性是功,自修身是德。

shàn zhī shí !niàn niàn wú jiān shì gōng ,xīn háng píng zhí shì dé 。zì xiū xìng shì gōng ,zì xiū shēn shì dé 。

[11]善知识!功德须自性内见,不是布施供养之所求也。是以福德与功德别。武帝不识真理,非我祖师有过。”

shàn zhī shí !gōng dé xū zì xìng nèi jiàn ,bù shì bù shī gòng yǎng zhī suǒ qiú yě 。shì yǐ fú dé yǔ gōng dé bié 。wǔ dì bù shí zhēn lǐ ,fēi wǒ zǔ shī yǒu guò 。”

[12]每一个人做一件事情,只要心念一动,不是功就是过,不是天堂就是地狱,所以你的心念要小心,你让你的心境能够提昇,让你的心清静下来就有功,而不一定要做多少善事,『真正的功德是在你自性的圆满』。

měi yī gè rén zuò yī jiàn shì qíng ,zhī yào xīn niàn yī dòng ,bù shì gōng jiù shì guò ,bù shì tiān táng jiù shì dì yù ,suǒ yǐ nǐ de xīn niàn yào xiǎo xīn ,nǐ ràng nǐ de xīn jìng néng gòu tí shēng ,ràng nǐ de xīn qīng jìng xià lái jiù yǒu gōng ,ér bù yī dìng yào zuò duō shǎo shàn shì ,『zhēn zhèng de gōng dé shì zài nǐ zì xìng de yuán mǎn 』。

[13]行善叫做做善事,度化众生叫做行功,帮助别人明理叫做行功立德。

háng shàn jiào zuò zuò shàn shì ,dù huà zhòng shēng jiào zuò háng gōng ,bāng zhù bié rén míng lǐ jiào zuò háng gōng lì dé 。



Kategorien:Buddhismus, Podiumsutra 六祖坛经, Zen, Chan

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