„Daher ist in der Leerheit keine „Form“, kein „Empfindung, Wahrnehmung, Gestaltung, Bewusstsein“, …“

Herz Sutra – „Daher ist in der Leerheit keine „Form“, kein „Empfindung, Wahrnehmung, Gestaltung, Bewusstsein“, …“

——Begleitlektüre zum Drei Schätze Retreat am 21.01.2021

Dieser Halbsatz verneint also das Vorhandensein von allen fünf Ansammlungen in der Leerheit, aber wo ist eigentlich dieses „In der Leerheit“? Das ist natürlich keine Ortsangabe, sondern ein Bewusstseinszustand. Es ist, anders ausgedrückt, gemeint: „Im Wissen um die Leerheit sieht man nirgends Form usw.“ Die bereits behandelten Skandhas (Form, Empfindung, Wahrnehmung, Gestaltung, Bewusstsein) sind dann also nirgends mehr zu finden. Man kann das vielleicht so ausdrücken: Die bereits behandelten fünf Ansammlungen sind für das menschliche Bewusstsein solange gültig und machen Sinn, solange der Mensch mit seinem Alltagsverstand – ohne Reflektieren und genaueres Hinsehen – die umgebende Welt oberflächlich betrachtet. Mit der Übung des Samadhi, mit einem ruhig und klar gewordenen Geist, stürzt dieses Weltbild jedoch zusammen.

Stattdessen kann er die lebhafte Erfahrung machen, wie alles von allem bedingt wird, keine feststehende Eigennatur besitzt und miteinander verbunden ist. Dieses  „Aufblitzen der Wirklichkeit“ ist noch nicht das endgültige Erwachen, aber ein wichtiger Schritt dazu. In allen Zeiten und Kulturen gab es einzelne Mystiker, die von genau dieser persönlichen Erfahrung berichtet haben. Oft hatten sie dabei erhebliche Schwierigkeiten, ihr Erlebnis in ihr herkömmliches Weltbild einzuordnen und zu verarbeiten. Wer weiß, wie viele Fälle von sensiblen und geistig weit entwickelten Individuen, die plötzlich verrückt geworden sind, auf so ein spontanes und unvorbereitetes „Realisieren der Leerheit“ zurückzuführen sind! Es benötigt wohl die zuverlässig übermittelte Lehre eines Erwachten (eines Buddha) sowie kompetenter Meister zur Übungsanleitung, um vor solchen Gefahren sicher zu sein.

Es kann auch auffallen, dass Form, Empfindung, Wahrnehmung, Gestaltung und Bewusstsein jeweils wohl niemals von jemandem je einzeln erlebt werden, ohne dass die übrigen vier von vornherein auch schon mitgewirkt haben. Sie sind eben voneinander bedingt, fällt ein „Baustein“ weg, ist es auch mit allen anderen vorbei. Und das ist das Fehlen einer unabhängigen Eigennatur der Phänomene: eine grundlegende Aussage der Buddhalehre und das, was mit „Leerheit“ gemeint ist.

Wie aber entsteht die Vorstellung von den fünf Ansammlungen aber eigentlich im menschlichen Geist? Was dazu gebraucht wird ist im zweiten Teil unseres aktuellen Herz Sutra Verses aufgezählt und natürlich auch gleich wieder verneint:

„…kein „Auge, Ohr, Nase, Zunge, Körper, Geist“. Kein „Form, Ton, Geruch, Geschmack, Berührung,  Phänomen (Dharma)“.“

Diesen Teil besprechen wir im nächsten Beitrag. Wir schließen diesen Beitrag wieder mit einem Zitat für die Praxis vom Erhabenen Lehrer ab:

Alles auf dieser Welt ist in ständiger Bewegung, alles ist daher Einheit und im Wesen ohne Ich. […] Himmel und Erde, Raum und Zeit, das Universum, der Geist usw. sind alles in ständiger Bewegung. Man kann nichts festhalten, da alles „nichts“ und „ohne Ding“ ist. Vergangenheit, Zukunft und Gegenwart sind alle leer, aber in der Tat auch nicht leer.[i]

Ohne Phänomen und ohne Ding: Geist, Buddha und weltliches Lebewesen unterscheiden sich nicht voneinander. Deshalb muss ein Praktizierender das Positive kultivieren. Dabei darf es nicht die geringste Befleckung geben. Ansonsten verliert man seine helle leuchtende Natur. Alle Buddhas bewahren diesen unbefleckten Geist. […] Den Boden sauber zu kehren ist mühselig, den Geist zu reinigen noch schwieriger. Wir haben uns von der Ich-Anhaftung, Egoismus, Böswilligkeit, Gier zu befreien, sodass der Geist klar und rein wird.[ii]


[i] 世间一切本来都在动中,一切就是一,一就是一切,本身「无我」。[三法蕴中所了解的]天地、时空、人心、宇宙等等都在动,是抓不住任何束西的,一切都是没有东西的(无)。过去、未来、现在都是空,但实际上亦是不空。(活佛师尊慈语)

[ii] 无法则无物,心、佛、众生,本来就没有差别,所以修道士要修要正,但在修正时不能有丝毫污染,否则就不光明,三世诸佛所要维护的,就是这一颗不污染的心,这心由前面看是心,由后面看则是佛。扫帚扫除,扫地难,扫心更难,当扫我相,扫私心、恶心、贪心,使心清静。(活佛师尊慈语)

<– „…Leere Form, kein Entstehen – kein Vergehen…“

–> „…kein „Auge, Ohr, Nase, Zunge, Körper, Geist“, kein „Form, Ton, Geruch, Geschmack, Berührung, Phänomen (Dharma)“.“



Kategorien:Buddhismus, Herzsutra 心经

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