Die Einführung der buddhistischen Mönchsregeln in China

Beitragsreihe: Wie kam der Buddhismus nach China?

Kap. 1: Die Anfänge der chinesischen Philosophien und Religionen

Teil 1: Konzi (Konfuzius) und der Konfuzianismus

Teil 2: Laozi (Laotse) und der Daoismus

Teil 3: Mengzi (Mencius) im „Streit der Hundert Schulen“

Teil 4: Zhuangzi, der Wahrhaftige vom Südlichen Blütenbland

Teil 5: Das Wechselspiel zwischen Legalismus, Konfuzianismus und Daoismus

Teil 6: Die Etablierung des monarchistischen Konfuzianismus als Staatsideologie ab der 2. Jh. v. Chr.

Teil 7: Huainanzi, das Lebenselixier und die „Unsterblichkeit“

Teil 8: Die Anfänge des Buddhismus in China

Teil 9: Mouzi, der erste chinesische Buddhist?

Kap. 2: Die Durchsetzung des Buddhismus in der Wei- und Jin-Zeit (220-420 n. Chr.)

Teil 1: Die Entwicklung des religiösen Daoismus und der daoistischen Elixierschule

Teil 2: Die Einführung der buddhistischen Mönchsregeln in China

Das Buch der „Biografien der großen Mönche“ berichtet davon, dass es zu Beginn der Wei-Dynastie (220-266 n. Chr.) zwar schon einheimische buddhistische Mönche in China gab, welche aber noch kein einheitliches Mönchsleben führten. Es heißt dort, diese Mönche schnitten zur Unterscheidung von den weltlichen Menschen nur ihre Haare ab, aber sie vollzogen keine Rituale und Zeremonien und bekannten sich zu keinen Mönchsregeln.[1] Im Jahre 250 n. Chr. kam der gelehrte indische Mönch Dharmakala 昙柯迦罗tan ke qie luo in der Hauptstadt der Wei-Dynastie Luoyang 洛阳 an. Die dortigen Mönche baten ihn, die Mönchsregeln zu übersetzen. Da die buddhistische Schriftsammlung zu den Mönchsregeln, der sog. Vinaya Korb, extrem umfangreich und komplex ist, hat Dharmakala die grundlegenden Regeln ausgewählt und diese in seinem Werk „Die Grundlagen/die Essenz der Mönchsregel 僧祇戒本/心seng qi jie ben/xin“ zusammengefasst. Damit unterschied sich auch ein Mönchsleben klarer vom weltlichen Leben, was die systematische Verbreitung des Buddhismus in China ermöglichte.

Mit der Zeit bekannten sich immer mehr chinesische Gelehrte zum Buddhismus und ließen sich ordinieren. Diese leisteten wichtige Übersetzungsarbeiten zur Etablierung des Buddhismus in China. Schon bald erfüllten die in China vorhandenen buddhistischen Schriften nicht mehr ihre Ansprüche. Dies führte dazu, dass chinesische Mönche nach Indien reisten, dort studierten und zahlreiche Schriften nach China zurückbrachten. Diese für die damalige Zeit sehr abenteuerliche Reisetätigkeit dauerte mehrere Hundert Jahre an und ebbte in der Mitte der Tang-Dynastie im 7. Jahrhundert ab. Dank den selbstaufopfernden Verdiensten dieser Reisenden sind viele buddhistischen Schriften bis heute erhalten geblieben. Heutzutage gehören die chinesischen Schriften, neben den tibetischen Werken und den Pali Texten, zu den drei wichtigsten Sammlungen der buddhistischen Schriften.

Eine der bedeutendsten dieser Reisen war jene des chinesischen Mönchs Faxian 法显 (337-422) im Jahre 399. Im Alter von 62 brach er auf, überquerte Wüste und Gebirge und kam in Nordindien an. Dann reiste er südwärts bis Sri Lanka weiter. Nach 14 Jahren kehrte er über den Seeweg im Jahre 413 wieder nach China zurück. Er brachte Schriften aus allen damals existierenden buddhistischen Schulen mit. Nach seiner Rückkehr widmete sich Faxian der Übersetzung der Schriften. Unter anderem übersetzte er zusammen mit dem indischen Mönch Buddhabhadra 佛陀跋陀罗 fo tuo bo tuo luo (359-429) das Mahasangha-Vinaya 摩诃僧祇律mo he seng qi lü. Dieses Regelwerk war laut Kommentarwerken wie z. B. „Die Aufzeichnungen über die drei Schriftensammlungen“ vom chinesischen Mönch Sengyou 僧祐das Grundlagenwerk der Mahasaṃghika Schule des Buddhismus.[2]

Einen weiteren Meilenstein legte im Jahre 404 der Mönch Punyatara 弗若多罗 fu ruo duo luo mit der Übersetzung des Dasa-Bhanavara-Vinaya 十律诵shi lü song. Er vollzog diese Arbeit gemeinsam mit Kumarajiva 鸠摩罗什jiu mo luo shi (334-413), einem der wichtigsten Übersetzer der buddhistischen Schriften Chinas. Im oben erwähnten Kommentarwerk vom Mönch Sengyou wurde berichtet, dass dieses Regelwerk eine vereinfachte Version jenes ursprünglichen Regelwerkes, welches aus der ersten Versammlung kurz nach dem Tod vom Buddha Gautama geschaffen wurde, darstellte. Auch wurde dort erwähnt, dass dieses das Grundlagenwerk der Sarvastivada Schule war.[3] Zur Zeit der Nord-Süd-Dynastien war das Mahasangha-Vinaya im Norden und das Dasa-Bhanavara-Vinaya im Süden des Landes verbreitet.

Zusammen mit Kumarajiva übersetzte ein anderer indischer Mönch, namentlich Buddhayasas佛陀耶舍to tuo ye she, das Dharmaguptaka-Vinaya 四分律 si fen lü, welches später das Standardwerk der chinesischen Mönchsregeln wurde. Auf diesem Werk basierend gründete später der chinesische Mönch Dao Xuan 道宣(596-667)in der Tang-Dynastie die „Schule der Mönchsregeln“ des chinesischen Buddhismus. In seinem Kommentar zu diesem Werk erwähnte er, dass diese Regelsammlung von Vorläufern der Theravada Schule etwa hundert Jahre nach dem Tod Gautama Buddhas im Zuge von vier Versammlungen zusammengestellt wurde.[4]

Mit der Etablierung der Mönchsregeln formierte sich die buddhistische Gemeinschaft in China. Diese wurde das dritte kulturelle Standbein Chinas neben den daoistischen Orden und der konfuzianischen Beamtenschaft. Das Leben in den buddhistischen Klöstern blieb jedoch nicht ohne konfuzianischen Einfluss. Die Hierarchieordnung und Etikette dort weichen dadurch bis heute stark von jenen in Tibet, Sri Lanka usw. ab. Auf Basis dieser Grundlage kam eine rasante Entwicklung des chinesischen Buddhismus in Gang. Wichtige Fürsten und Kaiser sowohl aus dem von Nomaden beherrschten Norden als auch aus dem von den Han-Chinesen regierten Süden bekannten sich zum Buddhismus und trugen mit ihrer Macht zur dessen Verbreitung bei. Der Buddhismus nahm dabei chinesische Züge an und konnte dadurch immer mehr Anhänger gewinnen. Dieser Prozess verlief nicht immer friedlich. Er war von intensiven Streitdebatten begleitet, nicht nur zwischen den Daoisten und Buddhisten, sondern auch mit den Konfuzianern.

–> Fortsetzung: Teil 3: Der Streit zwischen den Daoisten, Buddhisten und Konfuzianern


[1] 《高僧傳》卷1:「以魏嘉平中,來至洛陽。於時魏境雖有佛法而道風訛替,亦有眾僧未稟歸戒。正以剪落殊俗耳,設復齋懺事法祠祀。迦羅既至大行佛法。時有諸僧,共請迦羅譯出戒律。迦羅以律部曲制,文言繁廣,佛教未昌,必不承用,乃譯出僧祇戒心,止備朝夕。更請梵僧,立羯磨法受戒。中夏戒律始自於此。」

[2] 僧祐《出三藏记集》:此一名僧祇律。律后记云。中天竺昔时暂有恶王御世。三藏比丘及诸沙门。皆远避四奔。恶王既死善王更立还请沙门归国供养。时巴连弗邑有五百僧。欲断事。既无律师又阙律文。莫知承案即遣使到祇洹精舍。写此律文众共奉行。其后五部转集。诸律师执义不同各以相承为是。争论纷然。于时阿育王言。我今何以测其是非。于是问僧。佛法断事云何。皆言。法应从多王言。若尔当行筹。知何众多。既而行筹。婆麤富罗众筹甚多。以众多故。改名摩诃僧祇。摩诃僧祇者。言大众也。沙门释法显游西域于摩竭提巴连弗邑阿育王塔天王精舍。写得胡本赍还京都。以晋义熙十二年岁次寿星十一月。共天竺禅师佛驮跋陀。于道场寺译出。至十四年二月末乃讫。

[3] 僧祐《出三藏记集》:“佛泥洹后。大迦叶集诸罗汉。于王舍城安居。命优波离出律。八万法藏有八十诵。”“萨婆多部者。梁言一切有也。……本有八十诵。优波掘以后世钝根不能具受故。删为十诵。以诵为名。谓法应诵持也。”

[4] 道宣《四分律含注戒本疏》卷一上说:“佛来百年,兴斯名教,相传云于上座搜括博要、契同已见者,集为一部,四度传文,尽所诠相,故云四分,此据说所至,非义判也。”



Kategorien:Buddhismus China

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